Ich weis, mit meinem Nachtrag über Chile bin ich schon ganz schön spät dran. Aber ihr habt einfach keine Ahnung, wie ausgelastet man hier ist. Ständig von A nach B reisen, organisieren, Hostels ablatschen, Bustickets feilschen, überhaupt Preise feilschen, Eindrücke sammeln und verarbeiten. Da kommt man nur noch müde heim oder hat auch oft gar keinen Internetanschluß. Im Moment sind wir in La Paz und um andere Traveller zu zitieren kann man hier nicht mehr machen als "Party". Das betreiben hier viele wirklich bis zum Exzess und was hier auch groß geschrieben wird ist Koks. Die zwei Mädels von unserem Zimmer haben sich zur Begrüßung quasi erst mal ne Line gezogen. War schon fast etwas witzig, denn die waren doch selbst etwas unsicher mit der ganzen Angelegenheit. Tja, da bin ich jetzt gelandet. Aber wie immer erst mal ein Blick in die Vergangenheit!
...nach Argentinien bin ich weiter nach Chile. Die Busfahrt war recht schön, war ich doch ganz gespannt auf die Andenüberquerung. Irgendwie hab ich dann doch nur die Hälfte mitbekommen, weil ich leicht verkatert eingeschlafen bin... Spannend wurde es an der Grenze. Wer nach Chile einreisen will, wird quasi bis zum letzten Krümel untersucht. Liegt angeblich an der Tatsache, dass die u. a. noch eine Traubensorte haben, die einzigartig in der Welt ist und diese vor einem bösen Traubenbakterium geschützt werden muss, das es noch nicht über die Anden nach Chile geschafft hat. Gut 1 1/2 Stunden hat es gedauert, bis die Pass-, Gepäck- und Personenkontrolle beendet war. Man kam sich schon wie ein Schwerverbrecher vor. Von da an ging es wieder die Anden runter Richtung Santiago. Irgendwie war es schon komisch, auf ein mal nicht mehr in Argentinien zu sein. Die Menschen kamen mir irgendwie anders vor... nicht ganz so freundlich und aufgeschlossen. Naja, wenigstens hat sich sofort jeder Mann hilfsbereit auf mein Gepäck gestürzt, wenn es um`s Treppenschleppen ging. Da muss man nicht mal fragen oder bettelnd kucken, jeder hombre hat sich bis jetzt an meiner 20-kg-Tasche beweisen wollen. Das ist echt witzig...
Mit meinem Hostel hatte ich echt Glück. Naja, eigentlich war es mehr wie ein Bed & Breakfast dort. Nicht mal 16 Leutchen haben in das Häuschen gepasst. Unten waren 2 große Wohn- und Esszimmer, Küche und Bad, oben die Schlafgemächer. Das ganze hatte so viel Charme und Stil, dass man sich wirklich wie im eigenen Zuhause gefühlt hat. Es war wirklich unglaublich angenehm dort, dass es die meisten kaum geschafft haben, das Haus zu verlassen! Und irgendwie war es genau deshalb so ein schöner Ort, man hatte Gefühl dort wie eine kleine WG-Familie zusammen zu wohnen. An manchen Tagen haben wir von früh bis spät so viel zusammen gemacht, dass wir sogar alle gleichzeitig zusammen ins Bettchen gehüpft sind. Da kam ich mir schon vor wie bei der Walton-Family, hahaha.
Das Frühstück war ein Traum. Frische Früchte, Kaffe (der in Chile aber nur mit absoluter Schlechtigkeit geglänzt hat), Rührei und Toast. Und dann war da noch ein ultrawitziges indisches Pärchen, mit denen ich mich so gut verstanden habe... und nachdem ich das indische Essen gelobpreist habe, wurde ich auch glatt bekocht. Ja, man muss einfach nur wissen, wie mans macht. Übrigens hab ich dort auch wieder eine Übernachtung "gespart". Obwohl ich mehrmals gesagt habe, ich war 7 Nächte da und nicht 6, haben die mir trotzdem nur 6 berechnet, weil die auf Grund eines EDV-Fehlers überzeugt waren, ich war nur sechs da. Naja, was soll man da machen?
Santiago selber war echt nett. Ohje, da ist es dieses schreckliche Wort "nett". So richtig wie ne Großstadt kam`s mir dort nicht vor. Alles so sauber, so ordentlich und sicher. Hübsch waren die Berge drum rum, die man immer irgendwie sehen konnte. Angeblich soll es ja dafür nachts sooo unsichersein, haha. Das konnte und wollte ich nicht glauben. Als ich mich zu später Stunde allein auf den Rückweg machen wollte, haben immer alle zu mir gesagt (also auch Stadtbewohner): "Oh Gott, du kannst nicht allein heimlaufen!". Uhi uhi, sowas zu mir zu sagen gleicht immer einer Herausforderung. Neugierig hab ich noch gefragt, was denn da einem so passieren soll, wenn man allein heimläuft. "Du wirst ausgeraubt und geschlagen". Sorry, aber das konnte ich mir nur schwer vorstellen. Wenn es tagsüber wie im Streichelzoo ist, kann es doch nicht sein das nachts automatisch alle Ganoven rauskommen. Mein Vorschlag, dass ich einen Bus nehme, wurde ebenfalls abgeschmettert. Auch dort würde man ausgeraubt und zusammengeschlagen! Trotz Versprechungen, ein Taxi zu nehmen, bin ich jeden Abend gut 40 Minuten allein heimgelatscht. Und begegnet bin ich kaum bis keiner Menschenseele (die haben sicher alle Angst nachts raus zu gehen). Einzig die unzähligen Straßenköter haben mir etwas Angst gemacht. Aber die sind wirklich freundlich und einer hat mich dann auch die ganze Stecke begleitet, was einem doch ein sicheres Gefühl gegeben hat...
| So ungefähr könnt ihr euch Santiago vorstellen |
Nach Tagen hab ich dann auch endlich meine französischen Mädels wieder getroffen. Die sind ja einmal über die Anden getrampt und sind auf diesem Weg sogar schneller in Santiago gelandet als ich! Claire und Audrey sind einfach klasse. Wir hatten so viel Spaß zusammen. Wir haben uns die Nächte um die Ohren geschlagen, sind Picknicken gegangen und da sonntags alle Museen in Santiago umsonst sind, haben wir uns von der südamerikanischen Kunst berieseln lassen...
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| Eine Einladung in ihre französische Heimat hab ich jetzt auch schon... |
| Sonntägliches Picknick mit frischen Empanadas, mhhh |
Und als ich in meinem Hostel in Santiago sitze steht da auf einmal jemand bekanntes vor mir: Der Pepe! In Buenos Aires habe ich ein total witziges spanisches Pärchen kennengelernt, die auf Weltreise sind. Und eigentlich dachte ich, sind die längst in Neuseeland. Aber nein, fünf Wochen später treffen wir uns tatsächlich im gleichen Hostal in Santiago. Die Freude war rießig, man hatte sich viel zu erzählen. Zur Feier sind wir dann auch gleich mal Sushi essen gegangen, das übrigens in Chile total günstig ist, aber nicht weniger lecker.
Was gibts sonst noch über Santiago zu berichten? Die Disco, in der wir waren, fand ich nicht so den Hit. Alle waren irgendwann nur noch vom landestypischen Getränk Pisco Sour betrunken und den Rest könnt ihr euch vorstellen. Von den unzähligen Straßenkötern hab ich euch ja auch schon geschrieben. Katzen findet man leider kaum eine, schade. Und den Schlüssel zu meinem Schließfach im Hostel hatte ich ja leider verloren. Herrjee, das war was. Bis die in es mal geschafft haben, mir das Schloß aufzubohren... Und ich hatte alles drin: Geld, Netbook, Ausweis etc. Dafür hab ich in der Zeit wenig ausgegeben, da ich ja wirtschaften musste, haha.
| Hunde hat`s in Chile ohne Ende - die fallen dann auch um wo es ihnen grade passt... |
Von Santiago aus ging es mit eine knapp zweistündigen Busfahrt weiter nach Valparaiso. Von dort hatte ich euch ja schon mal berichtet. Die Stadt hat wirklich Charme, der sich einem noch mehr offenbart, wenn man länger dort bleibt. Leider machen viele von Santiago aus nur einen Tagesausflug nach Valparaiso. Die Stadt selbst besteht aus unzähligen bunten Häuschen den Küstenberg hoch, überall gibt es schönste Graffitis und Kunstwerke. Die Stimmung abends in der Altstadt ist auch sehr angenehm und lebhaft. Jedem Besucher der Stadt würde ich auch das Pablo Neruda Haus empfehlen. Ich kannte den Herrn ja schon vorher, aber in Sachen Einrichtungsstil und obsessive Sammelwut habe ich meinen Seelenverwandten gefunden ;)
| Diese niedlichen Lichtlein hängen übrigens wohl seit Weihnachten - wie überall hier in Südamerika noch Weihnachtsbeleuchtung zu finden ist! |
Die Frau von unserem Hostalbesitzer hatte übrigens Geburtstag und so wurden wir auf eine kleine Fete eingeladen. War alles etwas bizarr. Die Vorbereitungen dauerten ca. 5 Stunden und wir haben uns alle gefragt, was die gute Frau da wohl alles servieren wird. Zum Schluß waren es ein paar Fruchtspießchen und Sushi... was die die ganze Zeit getrieben hat, war uns nicht klar. Irgendwie war es eine recht absurde "Feier", aber nach genügen Bier wurde es halt doch noch recht lustig...
Meine zwei Spanier sind dann auch nach Valparaiso gekommen und so haben wir uns durch die Landesküche geschlemmt. Wer in Chile ist, muss mal ein Completo probiert haben. Dieses rießen Hot-Dog-Ding (ca. 30 cm groß mit ca. 1 kg Mayo drauf) haben wir dann wettkampfmäßig ganz schnell reingestopft, weil wir Angst hatten, es könnte in der Mitte auseinander brechen. Brechen ist danach auch ein gutes Stichwort, haha. Der Pepe hat mir erzählt, als ihm eine Kellnerin das erste Mal ein Completo angeboten hat und nicht wusste was das hier ist, war er etwas pikiert... in Spanien kriegt man sowas wohl nur im Puff offeriert...
| Ein mal und nie wieder... aber günstig ist das Ding. Im Hintergrund das Landesbier - wat muss dat muss. |
| Nach dem Essen haben wir uns ein Eis gegönnt. Das Ding war die KLEINSTE Kugel und ist mir doch glatt von der Waffel in die Hand gefallen weil die einfach zu "winzig" war... |
Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, warum es im deutschen "trampen" heißt, man aber im englischen "hitchhike" sagt? Diesen und ähnlichen Fragen (es gibt eine Nord- und eine Südnutella!) bin ich mit Moriz (einem Schweizer) eine Nacht lang nachgegangen. Ich sags euch. Frau Schlau ist jetzt noch schläuer!
Rio entkommen saß ich morgens um kurz vor acht im Bus nach La Serena. Von dort hab ich euch ja schon mal kurz geschrieben. Die Tage habe ich echt genossen, endlich mal wieder etwas Zeit für mich, runter kommen, verarbeiten, waschen und ausspannen. Die kleine Holzhütte in der ich wohnte, war echt süß. Irgendwie war die so vertraut urig.
| Der Strand von La Serena |
Von La Serena aus ging es in Richtung meiner letzten Station in Chile - nach San Pedro. Auch von dort hab ich euch ja schon mal kleine Zwischenberichte geliefert. Im Bus noch hab ich Lilly kennengelernt. Sie ist schlappe 14 Jahre jünger als ich und ein mal wurden wir doch glatt gefragt (ACHTUNG!), ob sie meine Tochter sei. Naja, der Rest der Menschen die wir so getroffen haben, hat wenigstens charmant gefragt, ob wir Schwestern seien. Mein Untergang ist besiegelt...
In San Pedro angekommen haben wir gut eine Stunde lang das Dorf nach einer hübschen wie günstigen Unterkunft abgeklapptert. Die Schweißarbeit hat sich gelohnt. Dazwischen haben wir aber so ziemlich den ekligsten Typen der Stadt und danach die grausligste Unterkunft meines Lebens gesehen...
| Unser Hauskater in San Pedro - ist der nicht niedlich!? Ich habe ihn "Don Gatto" getauft und in meiner letzten Nacht bin ich im Dunkeln total erschrocken, lag der kleine Frechdachs nicht in meinem Bett! |
San Pedro ist wirklich ein kleines staubiges Dorf in der Wüste und scheint nur für den Tourismus zu existieren. Es gibt kaum Essen zu kaufen, abends hat es ständig gewittert und somit viel der Strom auch immer aus. Wasser zum Duschen war rationiert und tagsüber war es einfach nur heiß. Was gab es dort zu tun? Eigentlich nur (überteuerte) Ausflüge in die Umgebung. Viel haben wir nicht gemacht, nur die einigermaßen bezahlbare Tour ins Moon Valley inkl. Sonnenuntergangsprogramm.
| Das Weiße was ihr da seht ist kein Schnee - das ist Salz |
Angeblich gab es auch eine Wüstenparty (zu der wurde man quasi nachts ins Nichts in die Wüste rausgekarrt) und obwohl es "die Party" war und jeder davon wusste, ham wir die irgendwie verpasst, haha.
Am letzten Tag waren wir noch gut damit beschäftigt, unsere Salar_de_Uyuni Tour vorzubereiten und haben einen Abstecher auf den Wüstenfriedhof gemacht. Der war echt wunderschön. Irgendwie doch anders, klar, in der Wüste ist halt alles anders...
Von der Uyuni-Tour, dem guten saftigen Lama-Fleisch und der Höhenkrankheit berichte ich euch hoffentlich ganz bald. Jetzt erst mal muss ich in den Tag starten, eine Tour zur "most dangerous road of the world" buchen, mich über den Titicacasee belesen und einen Flug in den Amazonasregenwald buchen...

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