Dienstag, 10. Juli 2012

Das war`s dann wohl

So, es musste ja passieren - ich bin wieder daheim. Vielen Dank noch mal an das spontane Begrüßungskomitee, ich habe mich sehr gefreut, dass ihr gekommen seid. Wirklich angekommen bin ich noch nicht und ich denke das braucht auch noch etwas.
Irgendwie ist alles wie immer und gleichzeitig doch anders. Anders sind wohl nur die Augen, durch die man jetzt sieht. Verändert hat sich nicht viel, jedoch wirken die Dinge neu auf mich. Die Menschen hier sind alle recht steif und verschlossen, man erhält nur selten ein Lächeln zurück. Keiner hilft einem beim Zug ein- und aussteigen mit dem Gepäck. Da war ich jetzt anderes gewohnt. Die Läden sind so kahl, alle stehen gestresst an der Kasse. Buh, hoffentlich ist das nicht ansteckend!
Ich ertappe mich dabei, wie ich Geräte mit einem Adappter anstecken und das Klopapier in den Mülleimer werfen will. Und so sehr ich mich auf das Essen hier gefreut habe, kann ich dann doch nicht mehr reinschieben, als in den Magen passt. Und die Landschaft hier, total ungewohnt für`s Auge, haha.
Ansonsten bin ich jetzt beschäftigt, mich zu aklimatisieren, meine Umzugskisten zu sortieren und irgendwie neuen Alltag in mein altes Leben zu bringen. Das wird brauchen. Und dann müsste ich ja noch eine Wohnung suchen, Freunde besuchen, Post sortieren... aaahhhh! Seid also nicht böse wenn ihr morgen nicht sofort was von mir hört. Liegt wohl einfach nur daran, dass ich den harten Aufprall erst noch verdauen muss.

Freitag, 6. Juli 2012

And now, the end is near...

...this is the final countdown! Morgen geht`s ab in den Flieger, könnt ihr euch das vorstellen? Ich nicht.

Heute bin ich von den San Blas zurück gekommen. Solltet ihr mal auf der Suche nach einem verlassenen Paradies sein - dort könntet ihr fündig werden.

Mit so ´nem kleinem Boot kommt man da hin

365 kleine Kokosnuss-Korallen-Inselchen hat es dort.

Man könnte quasi ein Jahr lang jeden Tag auf ein anders Inselchen hüpfen!

Meine Insel

Und so sieht die Nachbarschaft aus



 

Auch wenn es trübe aussieht, war es echt warm und herrlich.

Frischer Fisch 

Schön war`s!

Es war wirklich toll. Da die Inseln den Kuna gehören und somit von Panama und keinem anderen Land "vermarktet" werden dürfen, ist alles recht rustikal und natürlich. Wir haben in einer Palmen-Bambushütte gepennt und direkt neben dem Strand gegessen. Ein wirkliches Bad gab es nicht, nur eine einfache Toilette. Aber das reicht auch. Würden die Inselchen in eine kommerzielle Hand geraten, nicht auszudenken was damit passieren würde! So ist es vom Massentourismus/Luxustourismus verschont, total erschwinglich und man hat wirklich ein "Einsames-Insel-Feeling". Kuckt es euch doch bei Gelegenheit einfach selber mal an ;) In diesem Sinne: Oh wie schön ist Panama.

Dienstag, 3. Juli 2012

Wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss....

ihr Lieben, wie immer sollte ich eigentlich schon im Bett liegen. Morgen (ganz) früh geht`s nämlich zum letzten Reiseziel. Und das wird noch mal richtig schön, wie es sich für ein großes Finale auch gehört!

Da ich aber nicht mehr viel Zeit zum Bloggen haben werde, heute eine schnelle Fotogeschichte von meinem neuen Hobby - der Kokosnusserei.Die letzten Tage habe ich auf den herrlichen Karibikinselchen im Norden Panamas verbracht und dort hatte ich viel Zeit zum Üben und auch viel neues gelernt. Leider befinden sich die tollen Früchtchen ja meist außerhalb einfacher Pflückhöhe, so das man kreativ werden muss. Kurz mal ein paar Einheimische beobachtet und schon habe ich eine neue Strategie für die Ernte entwickelt.

Sieht einfacher aus, als es ist. So `ne Nuss hängt da nämlich
echt fest dran und muss eigentlich runtergedreht werden.


Davon träum ich nachts... und ich mein nicht den Himmel oder die Palme ;)


Und dann hat man so ein riesen Baby und kriegt es nicht
auf - was tun?!

Ein Glück es gibt noch Strandkavaliere mit Machete und Erfahrung!

Viel übrig geblieben ist davon nicht, mehr Verpackung als Inhalt,
aber dafür hatte ich auch leckeres Kokosfleisch!


Kaum zurück entdecke ich den Mangobaum direkt daneben... die waren
auch ganz schön lecker! Das nenne ich Paradies :)

Alternativ muss ich mir jetzt eine Reiseleiter/Teleskopleiter
anschaffen. Der Herr war aber nett und hat mir direkt
eine Kokosnuss zum Frühstück überlassen!
Kokos am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.
 
Meine Geheimwaffe: Agnes 1,83 Meter hoch. Die erwischt
dann auch Nüsse an die ich nicht komme. Die arme musste
sich um ihre Achse drehn, hahaha!
Um eine langfristige Versorgung zu gewährleisten habe ich jetzt über die Anschaffung eines Affen nachgedacht. An dieser Stelle Grüße an Ramon. "Affen an Leinen pflücken Kokosnüsse" fiel mir die Tage wieder ein, hihi. Wikipedia weis dazu wieder mehr:   Die Ernte erfolgt durch langgestielte Messer, durch Hochklettern durch sogenannte Palmkletterer, und in Asien auch mit Hilfe dressierter Makaken-Affen, die auf die Bäume klettern und über Zurufe dazu gebracht werden, die Nuss so lange um ihre eigene Achse zu drehen, bis sie vom Baum fällt. Die Affen haben eine enge Beziehung zu ihrem Besitzer. Ihre Dressur ist schwierig, da nicht nur das Drehen der Nuss erlernt werden muss, sondern auch Körperbewegung nach Zurufen, die es dem Besitzer ermöglichen, den angeseilten Affen im Gewirr der Äste so zu dirigieren, dass er sich nicht verfängt und oben auf seine Rettung warten muss. Passiert dies, verliert der Affe das Interesse an der Nussernte, die für ihn eine Art Spiel ist. Gute Ernteaffen stellen für die dortige Bevölkerung einen erheblichen Wert dar, der mit dem Besitz eines Arbeitselefanten vergleichbar ist. Die verspielten Tiere kosten weniger Unterhalt, bedürfen aber ständiger Beschäftigung und werden deshalb in häuslicher Umgebung gehalten, spielen mit den Kindern und essen als Familienmitglied. Sie können nicht an jeden verkauft werden, da sie nicht mehr arbeiten, wenn sie sich nicht an ihren neuen Besitzer gewöhnen. 
Erinnert ihr euch noch an Chita letztens? Hätte ich die mal mitgenommen!

Und was ich sonst so gemacht habe? Äh, gefaulenzt, bin geschwommen
und hab ständig nur an die runden grünen Dinger gedacht!!!


Es war wirklich ein Traum auf den Bocas...

Für mehr reicht es heute leider nicht. Bin eh schon zu spät dran. Melde mich wahrscheinlich noch mal, bevor ich in den Flieger steige... wenn hoffentlich alles klappt. Freue mich auf das deutsche Essen tierisch! Denn hier isst man, wie es gestern jemand sehr treffend formuliert hat, "nur um satt zu werden"! In diesem Sinn, esst alle ein Käsebrot und denkt an mich :) 

Samstag, 30. Juni 2012

Oh wie schön...

...war es in Südamerika! Und ob es in Panama wirklich so schön ist, wie es heißt, versuche ich im Moment noch herauszufinden! 

In etwas mehr als einer Woche sitze ich im Flieger gen Heimat. Vorstellen mag und kann ich mir das nicht wirklich. Naja, etwas reisemüde werde ich langsam schon. Die ständige Packerei, Fahrerei, Unterkunftssucherei, Geldumrechnerei und alle anderen Ei`s die es so gibt. Heute hab ich mich dann auch noch gut 10 Minuten mit ein paar Grenzbeamten gestritten, weil ich denen partout nicht glauben wollte, dass ich eine Einreisesteuer von 3,00 Dollars zahlen muss. Hatte ich ja in Panama-Stadt auch nicht müssen. Involviert habe ich dann alles und jeden der da so rum stand und mir alles schriftlich zeigen und quittieren lassen. Klingt ziemlich albern, ich weis. Aber irgendwie hat man dann doch manchmal das Gefühl als "Gringa" über den Tisch gezogen zu werden. 

Hier noch mal ein Bildchen vom schönen Quito, wie ich es vermisse!
Seit gut einer Woche bin ich in Panama bzw. Costa Rica. Der Flug war recht kurz, nicht mal zwei Stunden. Abenteuerlich wurde es am Flughafen. Hatte bis dato noch keinen Reiseführer und somit auch nur wenig Anhaltspunkte, wie es weiter gehen sollte. Da die Taxis in die Stadt pauschal 25,00 Dollar kosten habe ich mich auf einer kleinen Odysee bis zum öffentlichen Bus durchgefragt. Der Metrobus hier ist supermodern (mit Klimaanlage), aber leider kann man im Bus nicht bar zahlen. Kurz mal eine Dame an der Haltestelle gefragt und schwupps hat die ihre Karte gezückt und ich durfte auf ihre Kosten mitfahren. Das ist doch ein guter erster Eindruck! 


Die nächsten drei Tage habe ich erst mal in Panama-Stadt verbracht. Das die Uhren hier anders ticken, war ziemlich schnell zu spüren. Alle sind hektisch unterwegs um Geld zu machen oder auszugeben. Vom süßen Leben Südamerikas war hier erst mal nichts mehr zu spüren. Ein wahrer Kulturschock. Und mir dämmert langsam, was mich daheim erwarten wird! 

Panama-Stadt gilt als eine Weltstadt und Steuerparadies. Ein Mann hat zu mir gesagt, es hätte im Zentrum wohl 120 Banken und vor allem würde hier das kolumbianische Drogengeld gewaschen. Wahrheitsgehalt liegt wahrscheinlich bei 80 %. Jedenfalls ist hier deutlich spürbar, dass Geld in der Luft liegt.


Sonntag scheint hier Waschtag zu sein!?!
 Und für was ist Panama noch bekannt? Ja, der Kanal! Was ich echt witzig ist: Man kann den ganzen Tag Schiffe beobachten, die sich brav in eine Schlange einreihen, um sich für die Kanaldurchquerung "anzustellen". Sieht fast wie im Kinderzimmer aus. Wie an einer Schnur gezogen stehen große und kleine Schiffe in einer Reihe und warten.
Der Kanal ist knapp 80 km lang. Ganz schön kurz wenn man überlegt das hier beide Amerikas verbunden waren. Für die Durchquerung (aller Schleusen) braucht ein Schiff ca. 15 Stunden. Eine Passage kostet ab ca. 14.000 Dollar, kann bei großen Kreuzfahrtschiffen aber auch schon mal 400.000 Dollar kosten. Hm,  bei solchen Beträgen kann man nur noch stauen, oder? Aktuell wird der Kanal sogar ausgebaut, damit noch größere Schiffe durchkommen, die Kapazität wird damit verdreifacht und die USA auch endlich ihre Kriegsschiffe durchschicken kann. Die haben auf das Land hier natürlich viel Einfluss, was schon daran zu bemerken ist, dass es hier auch den US-Dollar als Zahlungsmittel hat. Und seit dem 01.01.2000 ist der Kanal auch endlich in panamesischer Hand, davor hat - ihr dürft raten - bei allem mitgemischt. Vorbild beim Bau war wohl der Suezkanal, aber das dieses Projekt nicht so einfach würde, damit hatte damals keiner gerechnet. Hierzu noch ein kleiner Auszug aus Wikipedia, wovon ich bis jetzt ja nichts geahnt hatte:  In der Bauzeit von 1881 bis 1889 starben bei dem Bau 22.000 Arbeiter (7,5 Menschenleben pro Tag) in der Sumpflandschaft an Gelbfieber und Malaria. Auf Anraten französischer Ärzte wurde 1883 beim Bau des Kanals angeordnet, zum Schutz vor Malaria die Pfosten der Betten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen. Die Eimer wurden allerdings zu Brutstätten der Malariamücken, die Krankheit breitete sich rasend schnell aus, der Bau musste nicht zuletzt auch deshalb abgebrochen werden. Rund um die Baustelle standen Kreuze; Leichen wurden in Essigfässern nach Europa verschifft, damit nicht noch mehr Kreuze aufgestellt werden mussten.


Nach so viel Zahlen, Daten und Fakten ging es erst mal wieder auf`s (Hoch-)Land, nach Boquete. Dort hab ich direkt zwei nette deutsche Mädels kennen gelernt und wir haben zusammen die Zeit verbracht. Nach einem reichlichen Pancakefrühstück ging es mit dem Bus weiter auf`s Land und nach einem weiteren Fußmarsch durch die herrlich grüne Landschaft sind wir endlich am Ziel angekommen: Den heißen Quellen. Dort gab es, wie wir schon vorgewarnt wurden, einen "Mono loco", den verrückten Affen namens Chita. 


Das vermeintlich verrückte Äffle

Hilfe, bitte tu mir nix und klau´ mir nix, hahaha!


Und eine Minute später lag meine Kamera im Wasser...

Warum das Vieh so verrückt sein soll, war mir nicht klar. Für einen Affen hat sich die Dame brav verhalten. Dennoch kamen wir in den Quellen nicht nur wegen der Temperatur ins Schwitzen, sondern hatten ständig Angst, Chita würde uns unsere Sachen klauen. So wurde es erst mal eine etwas unentspannte Angelegenheit, hahaha!

Auf den Rückweg mussten wir dann Trampen, weil kein Bus kam und wir im Terminstreß waren. Das dritte Auto, das ich aufgehalten habe, hat uns dann auch mitgenommen. Puh! Am Nachmittag war nämlich eine Kaffeeplantagentour geplant. Drei Stunden sollte sie dauern und nach dem ganzen schlechten Kaffee der letzten Monate war ich wirklich gespannt :)

Abgeholt hat uns der Besitzer. Rich, ein alter Herr aus San Francisco, der sich in das Anwesen angeblich auf den ersten Blick verliebt und über Nacht gekauft hat, ohne überhaupt etwas über Kaffee zu wissen. Wenn man dann mal auf dem Anwesen war, konnte man die Geschichte glauben. Es war traumhaft dort. 

Der Herr hat uns also erst mal alles über Kaffee erzählt. Da kam man kurz ins Staunen. Angefangen von der Legende der Entdeckung des Kaffee`s in Äthiopien und aufgehört bei der ganzen Kaffeemafia. Nichts, was man nicht schon geahnt hätte, aber trotzdem immer wieder ernüchternd. Warum der Kaffee teurer wird, dass Vietnam der zweit größte Kaffeeanbauer ist (wusstet ihr das?). Wie wenig für den Farmer dabei raus springt, war noch ernüchternder. Da fragt man sich echt, warum die überhaupt noch Kaffee anpflanzen. Und viele tuen das eben auch nicht mehr. Er hat uns auf dem Rückweg die Grundstücke seiner Nachbarn gezeigt, die die Pflanzen rausgerissen haben und jetzt lieber Tomaten oder ähnliches züchten. Und in Venezuela ist man jetzt auch schon so weit, daß man lieber Koka als Kaffee anpflanzt, weil ertragreicher. Und wenn ich mich erinnere, macht es Sinn, denn in Bolivien habe ich gelernt unter welchen Bedingungen Koka am besten wächst und Kaffee hat ähnliche Voraussetzungen...

Mitgenommen hab ich mir jetzt eine Hand voll roter Kaffeekirschen. Die will ich daheim auf der Fensterbank  einpflanzen. Schau mer mal, ob`s wat wird! Übrigens schmeckt die Kaffeekirsche, also das Rote, total süß. Hab`s im Selbstversuch gleich mal getestet ;) Abschließend gab es dann auch noch ein "Cupping", wo wir die Kaffeestärken/Röstungen direkt mal ausprobieren durften. Mhhhh lecker! Gelernt hab ich an dem Tag viel über Kaffee und ein Satz steckt mir nachhaltig im Kopf: "In den teuren Kaffee-Ketten (Starbucks und CO.) kostet ein Becher Kaffee so viel wie ein Arbeiter auf einer Plantage am Tag verdient." Übel, oder? Nach diesem Erlebnis habe ich einen ganz neuen Bezug zu Kaffee und will daheim in Zukunft auch mehr über die Herkunft und Produktion meines Kaffee`s wissen.


Hier seht ihr die noch grünen Kaffeekirsche. Da sie nicht alle gleichzeitig reif
werden müssen sie mehrmals zu verschiedenen Zeiten per Hand gepflückt werden!

Wir drei beim Cupping, Prost!
Nach Boquete bin ich getrieben vom Erlebniswahn direkt weiter nach Cahuita/Costa Rica gefahren. Puh war das anstrengend. Zehn weitere Stunden in Bussen und über die Grenze, um endlich in diesem angepriesenen Ort an der Karibikküste zu sein. Es war schon nett dort, aber sooo unglaublich megaschön wie alle sagen, nicht. Ich habe das beste aus meinen Tagen dort gemacht. Bin einen Tag lang quer durcheinen Nationalpark gelatscht und außerdem bin ich zur Weltmeisterin in Kokusnußknacken geworden. Mit ohne Hilfsmittel. Sollte ich mal auf einer einsamen Insel stranden, ich könnte vorläufig überleben. Das was ich von Costa Rica gesehen habe, war nicht anders als hier. Nur noch mehr USA-Touris und alles ist noch teurere dort, als hier. Die Zeit und das Geld hätte ich mir also auch sparen können. Ausserdem habe ich die ganzen Bananenplantagen von "Del Monte" und "Chiquita" vom Bus aus gesehen. Was mich nach meinem Kaffee-Ausflug doch sehr nachdenklich gemacht hat. Warum? Einfach mal hier klicken und die kleine Geschichte lesen. Das macht dann hoffentlich auch dem Letzen klar, dass es bei BIO nicht nur um die eigene Gesundheit geht, sondern oft auch um die anderer! 
Seit heute Nachmittag bin ich übrigens wieder in Panama. Und zwar auf einer hübschen kleinen Karibikinsel, auf der es sich super aushalten lässt und die allgemeine Stimmung ganz dem entspricht, was ich in Costa Rica erwartet habe. Mehr dazu demnächst, dann auch mit Fotos. Mein Fotoapparat ist nämlich seit heute wieder fit und trocken, nachdem ich ihn vor einigen Tagen ins Wasser "geworfen" habe!


Ich wünsche euch wie immer ein sonniges Wochenende. Bis bald hier auf meinem Blog oder schon bald daheim (unvorstellbar!).



Donnerstag, 21. Juni 2012

Hängematten, kulturelle Aktivitäten, Dschungel und böse Geister

Treue Leser, mal wieder schreibe ich euch ein paar Zeilen aus meinem Lieblingsplatz: Der Hängematte. W-lan macht`s möglich. Hier in Ecuador gibt es drei Dinge, die in einem guten Haushalt nicht fehlen dürfen: 1. der Fernseher, 2. eine riesen Staude Bananen und 3. eine Hängematte. Die gibt es dann wirklich überall. Selbst am Arbeitsplatz. In jedem Laden ist der gut ausgeruhte Verkäufer zielsicher zu finden - vorm Fernseher in der Hängematte. 


Wieso sollte man sein Leben nicht auch während der Arbeit genießen...

Wie ihr wahrscheinlich wisst, bin ich seit einigen Tagen in der Selva (Amazonien). Und ich muss es wohl nicht schreiben, aber ich liebe den Regenwald. So schön grün, so schön feucht, so tolle Geräusche und ich hab auch noch Glück, denn hier regnet es zur Zeit nur nachts und die Tage sind sonnig. Meinen ersten Ausflug habe ich ohne ein bestimmtes Ziel unternommen. Bin mit dem Dorfbus über die frisch geteerte Dschungelstraße getuckert und wurde am Ende ausgespuckt.
Endlich habe ich dran gedacht, die mitgebrachten Luftballons zu verteilen.
Ein Lächeln konnte ich bei dem  junge Mann trotzdem nicht gewinnen.
Aus seinem Bananenblatt hatte er übrigens getrocknete Milch genascht.

Rote Bananen zum selber pflücken. Neulich beim EDEKA noch für 1,50 Euro
das Stück gekauft, in Ecuador für 0,05 Dollar//Stück. Oder im Wald für umonst!

Selbst im 300-Einwohner-Dorf im tiefsten Dschungel wird die EM
gekuckt. Nach meinem Ausflug ins Grüne konnte ich mich auf
einem Plastikstuhl ausruhen und den  letzten 20 Minuten
Deutschland : Niederlan(g)de folgen.
Hunde die bellen... dieser Kläffer wollte immer Affen jagen, aber kaum kam
ihm einer mal zu nahe, ist er panisch davon gerannt. War echt witzig..
Der Hund, der beste Freund des Affen... oder so. Die zwei waren ein Dreamteam.
Haben entweder miteinander gespielt, oder das Äffchen hat den Hund
mit irgendwas gefüttert. 
Mutprobe: Hand ins Maul des Gegenspieler stecken.

Letztens war meine Bank noch von Seelöwen besetzt, jetzt von Affen...

Ziel meiner Reise nach Tena war es eigentlich, einen Ausflug in den Dschungel bzw. eine "Indianergemeinde" zu unternehmen. Nachdem ich mir davon aber einige Fotos und Berichte angeschaut habe, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich das wollte. Warum? Irgendwie sah das alles aus wie Fasching. Der Häuptling von Kindelein umringt, die mit ihren Baströckchen und Kokosnuß-BH brav in die Kamera lächeln. Und um etwas wirklich seriöses zu finden, dafür fehlte mir die Zeit. Durch einen Zufall fand ich schließlich eine Möglichkeit, in einer Kichwagemeinde im Dschungel untergebracht zu werden.

Auf geht`s in eine Kichuwa-Kommune. 

Als ich in meinem neuen Zuhause ankam, durfte ich auch gleich den Rest der Reisegesellschaft kennen lernen. Zwei echte Klischee New Yorker (Vater und Sohn). Die beiden waren total witzig und haben meine Zeit versüßt. Manchmal bin ich ganz froh, wenn man nicht auf die üblich typischen "Backpacker" trifft. 


Das war`s dann auch schon, nur wir drei waren zu Gast in der Gemeinde und hatten einen eigenen Guide namens Jaime. Das fand ich echt luxuriös. So war auch unsere Unterkunft. Eine relativ neue Hütte, mit super Bad, Küche, Terasse und die Hängematten dürfen natürlich nicht fehlen.


So lässt es sich im Amazonas leben. Was man hier nicht sehen und hören kann
ist der rauschende Fluss gerade aus...

Anfangs war ich etwas irritiert. Dachte, die hätten die Hütte  extra für die Touris hingebaut und war fast etwas enttäuscht, nicht in einer Familie wohnen zu dürfen.  Wie ich später erfahren habe, hat es sich bei der  Holzhütte um das "Gemeindehaus" der Kommune gehandelt. Was ich total gut fand. Hintergrund ist, dass dieses Haus Geld für die Gemeinde einbringen soll, aber auch für alle ein Zentrum ist.  So waren jeden Tag Leute und Kinder der Kommune bei uns im Haus, haben entweder etwas weitergebaut oder 
sich vergnügt. Leider wurde die Hütte im 1. Stock noch nicht fertiggestellt. Alles wegen der Wirtschaftskrise von 2009, in dem Jahr hatten sie angefangen zu bauen. Die Krise hat sich nämlich auch auf den Tourismus ausgewirkt. Weniger Touristen, weniger Geld, kein fertiges Häuschen. Traurig, oder?

Kakaofrucht mit Kokaobaum im Hintergrund.


Unser Guide war echt nett, geduldig und kannte sich im Dschungel bestens aus. Jeden Meter hat er uns eine andere Pflanze vorgestellt und erklärt, was man mit ihr machen kann. Gegen Druchfall, gegen Fieber, gegen ungewollte bevorstehende Babys, Blätter in die man Essen zum Kochen einwickelt und die ihren Geschmack abgeben oder einfach nur das Kraut, das der Schamane für seine Riten verwendet. 

Spaßvogel beim Nasebohren...
Jaime schlägt den Weg frei.
Am Nachmittag stand Schwimmen auf dem Programm. Das wurde  witzig. Weil als wirklicher New Yorker kann man nicht schwimmen. Warum auch? In NY muss man nicht schwimmen können, haha. So wurde die Rettungsweste ausgepackt und Jaime hatte zu tun. Ein Nichtschwimmer im reissenden Fluß mit Weste. Welch Anblick. Aber alle hatten ihren Spaß. Ich habe die Gewalt des Flusses total unterschätzt. Hüpf´ also ohne Jaime in die Fluten und wurde erst mal davongetragen. Konnte mich mit größter Anstrengung ans andere Ufer retten, ächz. Hat mich kurz daran erinnert, dass ich auf den Galapagos doch tatsächlich in eine Strömung geraten bin und "gerettet" werden musste. Davon habe ich euch gar nicht berichtet, gel. Naja, habe es mit und ohne Jaime noch ein paar mal probiert und war von seinem Können ganz beeindruckt. Also diese Amazonasbewohner haben echt viel drauf, dass habe ich in diesen Tagen wirklich lernen dürfen!




In meiner ersten Nacht bin ich aufgewacht und hatte ohweh Magenweh! Als ich wieder aufgewacht bin, musste ich mich übergeben. Na prima! Das hat sich dann leider noch zwei, drei mal wiederholt. Am nächsten Morgen war ich total entkräftet, konnte nichts essen und mir war übel. Jaime wusste sofort an was es lag. Er hatte vergessen mich für die Dschungeltour mit roter Farbe zu bemalen, deshalb wäre jetzt der böse Spiritus der Selva über mich gekommen. Jawohl, ihr habt richtig gelesen, die bösen Geister haben sich meiner bemächtigt und die mussten ausgetrieben werden. Er ist also los, hat zig Zutaten für einen Zaubertee besorgt  und auch ein Schamane wurde bestellt. Ich war zu wehrlos und es ging mir schlecht genug, als das ich auch eine Ausräucherung über mich ergehen ließ. Mit angezündeter Kerze und einem Blätterstrauch hat der dann ewig über mir rumgewedelt und immer gemurmelt, das ich "muy mal spiritus" in mir hätte. Oi oi oi, das beruhigt nicht!
Danach musste ich noch Jaime`s Medizin aus dem Urwald trinken (in einem Schluck wurde ich angewiesen), hab mich noch ein mal übergeben und es ging bergauf. Ein Hoch auf die Naturmedizin, haha.


Was war ich froh, denn heute stand nämlich "kulturelle Aktivitäten" auf dem Tagesplan. Diese Bezeichnung alleine finde ich ja schon total inspirierend und habe schon wieder eine neue Geschäftsidee für daheim. Touristen mit typischen deutschen "kulturellen Aktivitäten" zu beglücken. Von Biergarten, Spätzle kochen bis Weihnachtsmarktbesuch oder Ostereier bemalen ist da alles drin. Hach, ich seh jetzt schon meine goldene Zukunft...


Bei uns hieß das erst mal einen Besuch daheim bei den Gemeineindemitgliedern. Hach, welch einfach glückliches Leben die haben, so schien es mir. So könnte ich mir meine Zukunft auch vorstellen.



Und schon wieder kann ich ein Schmuck-
stück mehr herstellen. Das dritte
auf meiner Reise. Geh bald in Produktion!
Das "Telefon" der Selva - eine Flußschneckenmuschel. Um
da einen Ton rauszubringen muss man ganz schön Puste haben.






Jaime hat es natürlich geschafft. Aber kuckt mal wie dick er
dafür seine Bäckchen aufblasen musste, hihihi.

Vater und Sohn beim Armbändchenbasteln :)

Nein, das ist kein Einheimischer, der ist aus dem Großstadtdschungel NYC.
Er durfte beim Yucastampfen helfen. Und kuckt euch doch mal den Herd an!

"Hat hier jemand was von Schokolade gesagt?"  fragt das
Herzchen links. Kakaobohnen beim Rösten. Die wurden
dann auch gemahlen.  Serviert wurde es dann pur oder mit Milch.
Ohne Zucker hat es dem Kleinen dann aber nicht geschmeckt.

Hachja, die Tage im Dschungel und der Gemeinde waren herrlich. Auch wenn ich vorher andere Vorstellungen hatte, so wurde es ein wunderschöner und unvergesslicher Ausflug. Vor allem das Nichtstun und (mit-)erleben des Alltags dort haben mich nachhaltig geprägt. Ich würde auf jeden Fall gerne noch ein mal zurückkehren, auch für längere Zeit!

Damit ihr euch mal vorstellen könnt, wie es aussieht, wenn ich euch schreibe!

Hach in Tena war es wirklich schön. Das war das Aufklaren am Morgen...

Kolibri in Mindo. Wow, was können die schnell fliegen!
So meine Lieben, inzwischen bin mit einem langwierigen Abstecher über Mindo in Quito angekommen. Heute ist auch tatsächlich mein letzter Tag hier, denn morgen geht es mit dem Flieger hoch nach Panama. Wo ist denn nur diese Zeit hin? 

Gerne gebe ich euch noch ein paar Zahlen, Daten und Fakten über Quito. Es ist die zweitgrößte Stadt Ecuadors (Guayaquil ist größer), dafür mit 2.850 m die höhste Hauptstadt der Welt. Hm, aber lag La Paz nicht höher? Ja, aber La Paz ist keine Hauptstadt, lediglich der Regierungssitz. Soviel zu den Superlativen. Das Wetter hier ist prima mild, Quito wird auch die "Stadt des ewigen Frühlings" genannt. Laut Reiseführer birgt es von allen südamerikanischen Hauptstädten die meisten kulturellen Schätze. Ich kann nur sagen: Mir gefällt es hier. Seit der großen Krise im Jahr 2000 hat sich auch viel getan. (Wusstet ihr, dass hier damals der US-Dollar eingeführt wurde?) Manche Stadtteile glänzen nur so vor Modernität. So gibt es hier auch Einkaufszentren, die man in der Form nicht mal bei uns finden kann. Leider wird das ganze wohl doch noch mit Kleinkriminalität überschattet, ich hatte euch ja schon davon berichtet. Nach wie vor kann ich jedoch nichts negatives schreiben. So werde ich mich jetzt in den letzten sonnigen Tag stürzen und noch ein paar Souvenirs besorgen. Meine letzten Cents muss ich nicht ausgeben, denn in Panama kann ich weiter in Dollar zahlen. Sollten es Reisegepäck und -kasse zulassen, ist vielleicht ein Geschenk für die ein oder andere treue Leserin drin ;)

Wünsche euch noch einen sonnigen Tag, schon mal ein schönes Wochenende und weiterhin viel Spaß mit der EM!

Leider ist das nur ein vager Schnappschuss von meiner riesen Dachterrasse
auf der es sich in Hängematte oder Hollywoodschaukel super aushalten lässt.