Freitag, 27. April 2012

Nur kurz...

... ich habe mich im Dschungel nicht verirrt, nur fast. 

Anfangs war ich wirklich auf der falschen Fährte und bin einer Nasenbärfamilie begegnet. Ansonsten war es echt toll, aber auch sehr anstrengend. Was man zum Glück hinterher immer vergisst und dann bleiben auch nur noch die schönen Erinnerungen. Und weil ich gleich zu meinem Bus Richtung Nazca muß und ihr wahrscheinlich schon gespannt seid, hier ein paar Bilder bis zum großen Erlebnisbericht.

Morgens ums sechs am Machu Pichhu. Keine Zeit für Lamas... musste
schnell weiter zum Wayna Pichhu

Wie ich es nach ca. 3.000 Stufen noch geschafft habe so hoch zu springen, ist mir ein Rätsel!
(Hatte einen hochroten Kopf und war von oben bis unten naßgeschwitzt)

Meine neue argentinische Freundin, die gerne den Moment teilen wollte :)
Seelige Grüße an euch alle, ich glaub ich hab ein neues Lebensziel: Alle sieben neuen Weltwunder abklappern!

Sonntag, 22. April 2012

Heute pack ich, morgen fahr ich und übermorgen seh ich den Machu Pichhu...

...ihr Lieben, ich schreibe euch noch kurz ein paar Zeilen. Morgen muss ich gaaanz früh aufstehen. Fahre mal wieder mit dem öffentlichen Bus, wechsel den dann noch zwei mal und dann geht es noch gut  drei Stunden querfeldein zu Fuß durch irgend einen Dschungel an Gleisen entlang. Enden sollte diese Reise in Aqua Calientes, dem "Pueblo Machu Pichhu". Tags drauf heißt es dann noch mal früh aufstehen (4.00 Uhr) und ab noch oben zum geheiligten Berg. Na hoffentlich ist das dann wirklich so toll, wie alle sagen...

Meine Anreise gestalte ich recht alternativ. Alles andere ist hier reine Geldmacherei. Der Zug über eine Strecke von ca. 20 km kostet one way schlappe 50 - 100 Dollar, den Bus dahin noch nicht mal eingerechnet. Die spinnen doch. Eine alternative Trekking-Tour kann man neuerdings auch buchen. Aber ich bestreike das jetzt alles. Sollen die ihr Geld mit jemand anders machen...

Heute wurde dann doch noch ein guter Tag, trotz  MPS. Habe mit dem Collectivo einen Ausflug nach Pisac gemacht. Ach da war es echt toll. Sonntags ist dort ein hübscher Markt. Und obwohl ich dachte, ich habe mich an Märkten schon satt gesehen, war ich total verzaubert.
  
Und sollte ich mich nicht verirren, melde ich mich Ende der Woche wieder bei euch, hoho. Drückt mir die Daumen... 



Samstag, 21. April 2012

Am Nabel der Welt....

...heißt auf Quechua Cusco und da bin ich gerade.

Der Legende nach wurde im 12. JH der erste Inka vom Sonnengott Inti beauftragt, "qosq´o" (= den Nabel der Welt) zu finden. Als dieser Inka einen solchen Platz fand, gründete er die Stadt Cusco.

Und wie ihr wahrscheinlich wisst, landet man hier vor allem aus einem Grund: MP, MaPi oder kurz Machu Pichhu genannt. Eigentlich hab ich mich ja total darauf gefreut und war vor Cusco fast etwas aufgeregt, aber jetzt leide ich nur noch unter dem MPS. Nein, ich meine nicht PMS (auch wenn die Symptome ähnlich sind), ich meine wirklich MPS = Machu-Pichhu-Streß. Hier dreht sich naürlich viel um den MP und so wird versucht so viel wie möglich an Geld damit zu machen. Mehr dazu werde ich euch aber an anderer Stelle berichten. Am Dienstag, den 24.04.2012 ist es dann aber so weit, dann ist MPT (MaPi-Tag). 

Hauptplatz in Cusco (die Kirchen sind quasi Recyclingprodukte aus
zerstörten Inkabauten/Steinen durch die Spanier)

Vor Cusco war ich in Arequipa. Das ist die zweit größte Stadt Perus und ist auch recht hübsch anzusehen.Das Städtchen wurde aus weiß getünchtem Vulkangestein erbaut und liegt in einer majestätischen Berglandschaft. 

Die Kathedral in Arequipa ist eine der weniger als 100 Kirchen weltweit,
denen es erlaubt ist, die Flagge des Vatikan zu hissen.
Arequipa ist angeblich auch die Hauptstadt der Alpakas. Das hat mich zu einer Collage inspiriert. Vorher-Nacher-Foto:

Alpaka schmeckt nämlich noch besser als Lama. Und wie treudoof x-beinig die kucken können, hm?!

Von Arequipa aus habe ich einen Ausflug zum "Canon del Colca" gemacht. Dort hat es wunderschöne Landschaften, der tiefste Canyon der Welt liegt direkt daneben und es gibt dort tatsächlich noch Kondore

Mit den Öffentlichen bin ich erst mal nach Chivay getuckert. Im Bus saß eine neugierige Peruanerin neben mir, deren Wissensdurst dem eines Vierjährigen glich. Unstillbar! "Sieht es in Deutschland so aus wie hier? Welche Frücht hat es dort? Welche Früchte aus Peru kann man dort kaufen? Gibt es viel Landwirtschaft? Welche Religion hat man dort? Wieviel kostet ein Auto? Wieviel kostet eine Wohnung? Und, und, und". Ich konnte sie leider nicht abwimmeln. Nach einigem Gähnen habe ich mich die letzte halbe Stunde schlafend gestellt. So weit ist es nun mit mir gekommen...

Die Nacht hab ich in dem verschlafenen Kaff verbracht. Obwohl mir einige überteuerte Touren zum "Cruz del Condor" angeboten wurden, habe ich die rustikale Variante gewählt. Um drei Uhr früh hieß es deshalb aufstehen, damit ich den öffentlichen Bus erwische. Ob der mich dann auch wirklich da hin bringt, wo ich hin wollte, darüber war ich mir doch etwas unsicher. Aber die Bedenken waren umsonst. Pünktlich um 6.00 Uhr hat mich mein einheimischer Sitznachbar geweckt und ich durfte im Nirgendwo aussteigen. Schlaftrunken hab ich dann die wunderschöne Landschaft betrachtet. Hach war das herrlich friedlich dort. Und außer mir kein Touri, haha. Die haben um die Uhrzeit vermutlich alle noch geschlafen. 

Morgens um sechs am "Cruz del Condor"
Mit mir waren da noch zwei so Indianerstylerbuben. Die waren echt witzig und haben auch erst mal die Schönheit, die Ruhe und den Frieden da oben genossen. Weil die wirklich so einen indianischen Look hatten und so schön über die Natur schwärmten, kam für mich eine mystische Stimmung auf. Zusammen haben wir den Sonnenaufgang bestaunt. Aber auch die hatten einen Wissensdurst. So durfte ich schon wieder Fragen über Gott und die Welt beantworten. Nach einiger Zeit sind sie verschwunden und da hab ich erst gerafft, dass mit mir noch ein paar Einheimische ausgestiegen sind. Das waren alles Verkäufer, die fleissig ihre Waren aufgebaut haben. Irgendwie war es echt interessant, das alles so ungestört in dieser traumhaften Umgebung miterleben zu dürfen. Meine zwei Buben haben mir dann auch ihren Schmuck gezeigt. Kurz war ich enttäuscht, weil ich dachte, die wollen mir ihre Sachen aufdrehen. Der eine hat mich dann auch in die Kunst des Armbandknüpfenwebenknotens eingeweiht. Und noch bevor ich "nein" sagen konnte hatte ich auch schon ein Armband zum Knüpfen in Arbeit. 

Ach ich sags euch, es war einfach himmlisch dort. Eigentlich bin ich wegen den Kondoren gekommen und plötzlich war ich Mitglied dieser Verkaufsgemeinde. Am frühen Morgen noch bevor die Touristenmassen herbeiströmen. Am liebsten hätte ich ja von diesem Treiben ein paar Fotos gemacht, aber die Stimmung war so schön, dass ich sie mit der Kamera nicht "erschießen" wollte. 

Stunden später (kein Witz) kamen dann auch die ersten Touristen im Miniluxusvan angekarrt. Und irgendwie war es für mich in dem Moment echt spannend, weil ich es von der anderen Seite aus erlebt habe. Plötzlich kamen da Leute an, sind an "unseren" Stand gekommen und haben sich für die Sachen interessiert. Und wie doof die sind, hach, was ich mir da so gedacht habe... Brav hab ich mein Armband fertig geknüpft, wurde von meinem Lehrer kontrolliert und durfte nebenbei noch beim Übersetzen helfen. 

Weshalb war ich noch mal überhaupt dort? Ach ja, wegen den Andenkondoren. Die sind auch wirklich angefolgen gekommen und haben die Tourimassen begeistert. Bis zu 3 Meter Flügelspannweite können die angeblich erreichen. Unbeeindruckt von den ganzen Fotografen sind die da rumgegleitet und haben ihre Kreise gezogen. Und das in dieser atemberaubenden Landschaft...

Auf dem Felsvorsprung hockt er. Sieht auf m Bild aber nicht groß aus, hm?


Spread your wings and fly away...
Gut fünf bis sechs Kondore sind gleichzeitig rumgeflogen!




Mit meinen neugewonnen Freunden bin ich dann auch im Bus nach Chivay zurückgefahren. Wurde direkt zum Sonntagsmahl daheim bei Mutti eingeladen. Wie nett, oder? Hach, das war mir dann doch zu viel. Dankend habe ich abgelehnt und die Zeit für einen Spaziergang in die schöne Umgebung genutzt. 


Die Terassen sind einer der ältesten in Peru und stammen wohl noch
aus der Prä-Inkazeit. Die Landschaft dort war wirklich unbeschreiblich!

Ihr Lieben, zum Schluß möchte ich heute noch etwas zum Thema "Andere Länder, andere Sitten" erzählen. Einige von euch wundern sich immer, wovon ich so müde bin oder warum ich kaum Zeit für Mails habe. Schließlich bin ich im Urlaub. Stimmt schon, aber ich bin halt auf Reisen und nicht im Urlaub. Alleine die letzten zwei bis drei Wochen war ich gut jeden 2. Tag für mindestens drei Stunden in einem Bus oder an einem Flughafen. Und das schlaucht. Dann in einer neuen Stadt ankommen, eine neue Herberge finden, neue Eindrücke verarbeiten...

Ein Ticket für das nächste Ziel kaufen, ist oft der anstrengendste Teil. Die Tage hab ich ein Dame in der Touri-Info gefragt, wo es öffentliche Busse oder ein Collectivo zum Busbahnhof gäbe. Die hat mich hartnäckig darauf verwiesen, dass es dafür Taxis gäbe. Nachdem ich dann selbst ein Collectivo gefunden habe, ging der Kampf weiter. Es gib nämlich unzählige Anbieter  -  da lohnt es sich Preise zu vergleichen! Die Halle gleicht einem Hühnerstall, alle schreien wild Städtenamen durch die Gegend und wollen für sich werben. Eine einzige Odyssee. Danach war ich einfach nur noch reif für`s Bett...
Die Halle ist ungefähr noch 4 x länger, als ihr sie hier sehen könnt...
Was ich hier aber prima finde ist (wie ich es gerne nenne) die "Coke to stay". In Bolivien gab`s  die fast überall, in Peru nicht ganz so oft.  Was ist das? Überall gibt es einen Kiosk oder einen klein Stand und man sich für umgerechnet 10 Cent kurz mal eine Coke, Fanta oder Sprite reinzischen. Da es sich  um eine Pfandflasche ( 190 ml - 237 ml) handelt, muss man am Stand/Kiosk stehen bleiben. Ich halte dies für eine großartige Sache. Wenn man unterwegs ist und schnell günstig seinen Durst löschen will, ist es idealst. Hat was von ner Espresso-Bar. Man steht da, beobachtet die Leute, genießt seinen Drink und weiter geht`s - kurzes Schwätzchen mit dem Verkäufer nicht ausgeschlossen.

Nur die im Glas sind "to stay". Getränke gleicher Größe
in der Plastikflasche kosten das 5-fache... 

Ich bin inzwischen zur "kurz-mal-ne-Cola-Trinkerin" geworden. Liegt aber nur daran, dass ich voll auf Kaffe-Entzug bin. Und irgendwoher muss man ja sein Koffein kriegen, oder? Habe euch ja schon berichtet, dass der Kaffee in Chile so schlecht war. In Bolivien wurde es noch irrwitziger. Da hat man so eine Art, nenn wir es mal "Kaffeesirup", serviert bekommen. Sah erst mal aus wie Espresso, ist aber die ungefähr 50 bis 100-fache Potenz davon. Ja, von Espresso! Und was macht man damit? Man gießt sich einen Fingerhut voll  in die Tasse und schüttet den Rest mit heißem Wasser auf. Kein Scherz. Als ich in einem Hostel in der Küche mal nach Nachschub gefragt habe, hat die Dame aus nem Schrank eine alte Plastikflasche genommen. In der war das teuflische Gebräu abgefüllt  *schüttel*. Wie sie diesen "Sirup" selbst herstellen, keine Ahnung. Auch hier in Peru wird gerne Nescafé (Pulverkaffee) serviert. Obwohl das Land Bohnen produzieren, werden die meist nur exportiert, dafür Nescafé importiert. Ach ja...

Was hier auch immer wieder ein anstrengendes Thema  ist, ist Geld. Nicht, was ihr jetzt (wahrscheinlich) denkt. Klar wollen die Leute, dass man sein Geld bei ihnen ausgibt. Am besten so viel wie möglich. Jedoch mit einer Einschränkung. Die Gleichung lautet wie folgt: So viel wie möglich, aber auch so klein wie möglich! Der Schrecken begann schon in Buenos Aires (zieht sich aber bis nach Peru hin). Der größte Geldschein in Argentinien beträgt umgerechnet nicht mehr als 20,00 Euro. Aber finde mal einen, der dir den wechseln kann! Ihr könnt euch nicht vorstellen wie oft ich einen Laden ohne Waren verlassen musste, weil man auf meinen Schein nicht rausgeben konte. Selbst Taxifahrer haben einen am Ende der Fahrt in einen Supermarkt geschick, weil sie nicht wechseln konnten. Oder erinnert ihr euch noch, dass ich mal bei Starbucks einen Espresso umsonst bekommen hab, weil die meinen Schein nicht wechseln konnten. Verrückt, oder? Ganz begehrt sind in Argentinien Münzen. Die braucht man vor allem für den Bus. Kein passendes Kleingeld = keine Mitfahrt. Dort stecken wahrscheinlich auch  alle Münzen. Und weil die Läden oft kein Kleingeld mehr in der Kasse haben, kriegt man tatsächlich den Wert in Bonbons ausbezahlt. Da kann man als Kind nur hoffen, dass die Mama viel Wechselgeld kriegt ;) 

Hier seht ihr rechts neben der Kasse (in der Tüte)
das "Wechelsgeld"













Donnerstag, 12. April 2012

Von der Höhenluft in die Tropenluft...

Ach,  ich sag`s euch. Am Ostersonntag bin ich noch im Dschungeldorf gehockt, hab fleissigst an diesem Blog geschrieben und als ich es abspeichern wollte ist die Leitung abgebrochen und alles war futsch. Naja, ich hab`s tapfer hingenommen, schreibe euch diese Zeilen aus einem Bus in Peru und hoffe wirklich, dass ich in den nächsten Wochen regelmäßiger zum Bloggen komme.

Vom Amazonasdschungel berichte ich euch demnächst, hinke ja meinen Reiseerzählungen gut einen Monat hinterher... Aber um euch schon mal ein Schmankerl zu bieten, hier ein Fotoauszug von dem erlebnisreichen Ausflug. Ich habe nämlich ein neues ungeahntes Talent in mir entdeckt: Das Töten von Piranhas. Habe somit auch einen neuen Spitznamen verpasst bekommen, "Killer" haha. Unser Guide durfte wegen der Semana Santa (Ostern) kein Tierchen angeln oder töten und der irische Bub, den wir an Bord hatten, wollte die armen Viecher mit ner halbleeren Plastikflasche erledigen. Das war aber wenig effektiv (ewig leidendes Zappeln) und so habe ich mit dem Holzbrett den Fischlis einen schnellen und angenehmen Tod bereitet. Bin ja Tierfreundin. Übrigens haben die Biester echt viele spitze kleine Zähnchen. Ein Fisch hat die Zehe von besagtem Iren beim Rumzappeln erwischt und fest zugebissen. Kurzer Aufschrei des Buben und dann hab ich mich um den Rest gekümmert.
In the dschungel they call me killer, haha

So und hier jetzt der lang versprochene Bericht von unsere Tour über die Anden nach Bolivien: 
Auf die Tour nach Uyuni hab ich mich wirklich gefreut. Sollte es zu den Highlights meiner Reise gehören. Das der Trip anstrengend wird, wußten wir schon vorher. Anstrengend war aber auch schon die Suche nach einem Anbieter. Manche machen da ja echt ne Wissenschaft draus, laufen alle Reiseanbieter der Stadt ab und lesen dann sämtlichste Rezessionen im Internet. Ich hatte eine Empfehlung von meinen Spaniern und damit war die Sache klar. Kurze Verunsicherung folgte, als wir zwei Deutsche getroffen haben, die uns mit ihren Ansprüchen und Negativ-Internet-Rezessionen schlimmste Bilder gemalt haben. Aber während die noch immer auf der Endlossuche nach dem passenden Anbieter waren, sind wir schon abgereist...

Los ging es früh am Morgen. Mit Sack uns Pack haben wir uns an den Treffpunkt geschleppt. Im Gepäck hatten wir jeweils 10 Liter Wasser (insgesamt also 20 Liter), da Lilly und ich unbedingt genug zu Trinken dabei haben wollten und noch eine Tüte voller Essenvorräte. Etwas deutsch ist das wohl, aber für uns hat es sich bewährt...

Mit einem Kleinbus wurden wir an die bolivianische Grenze gekarrt. Dort stand ein kleines Hüttchen, das ich nie als Grenzhäuschen wahrgenommen hätte, wäre es nicht dran gestanden. Rasch wurden Ein- und Ausreisestempel verteilt. Es herrschte ein großes Getümmel, da ja außer uns noch einige andere Leute von Bussen für die Tour angespült wurden. Witzig war, dass wir uns schließlich mehr oder minder einen Jeep aussuchen konnten, der noch frei war. Da haben wir nur an die zwei deutschen Mädels gedacht, die unbedingt das Beste vom Besten buchen wollten. Zum Schluß ist es dann doch egal, weil es per Zufallssystem verteilt wird. Die Leute in unserem Jeep hatten alle bei einem anderen Anbieter gebucht und alle einen anderen Preis bezahlt. Willkommen in Bolivien!

Unser Lovecar vollbepackt

Das Gepäck wurde aufs Jeepdach geschnallt, alle einsteigen und los geht`s!? Nicht wirklich. Unser Auto sprang  nicht an und musste erst mal los geschoben werden, haha. Damit haben sich üble Gerüchte über den maroden Zustand dieser Kisten gleich bestätigt. Anschnallen konnte man sich eh nicht (es gab keine Gurte mehr), die Windschutzscheibe hatte massive Sprünge und auch sonst war nichts so wirklich frisch (weder Tank- noch Geschwindigkeitsanzeiger haben sich bewegt). Aber ganz ehrlich, damit habe ich schon vorher gerechnet und wenn man sich auf diese Tour begibt, sollte man sich auch keine weiteren Gedanken machen, sonst muss man es einfach bleiben lassen...

Insgesamt waren wir zu sechst (alles Mädels) und unser liebreizender Fahrer: Jose-Luis. Der war echt total witzig, sprach natürlich nur spanisch und wurde von uns erst mal Jean-Paul getauft, da wir uns seinen Namen nicht merken konnten. Die ersten Stopps waren echt schön. Zwischen den ganzen Bergen haben wir hübsche Lagunen besucht, Vicunas gesehen und mittags durften wir dann in einer heißen Quelle baden. 

Laguna blanca
Mittags sind wir in eine kleine Stube eingekehrt, in der schon Essen auf uns gewartet hat. Und es gab tatsächlich leckeres Lamafleisch. Neugierig war ich ja schon, wie das schmeckt. Und ich kann euch nur gutes berichten. So lecker hat das geschmeckt, dass ich mir direkt noch einen Nachschlag gegönnt habe! Aber kein Wunder, das Fleisch wird ja unter besten Biobedingungen produziert: Freilaufend in unberührter Andennatur, viel Muskeln und leckeres Fett wegen der Kälte. Ach, ich krieg nur beim Gedanken daran Hunger. Bei jedem Lama das ich jetzt sehe denke ich nur noch an Fleisch, jamjam.

Leckeres Lamafleisch, yummy

Nach dem Essen ging es weiter den Altiplano hoch. Wirklich gemerkt hab ich erst mal nix, hab aber auch wie eine Bekloppte getrunken da es mit das beste Mittel gegen Höhenkrankheit sein soll. Viele kriegen wegen der Höhe erst mal Kopfschmerzen oder einen Druck im Kopf. Ich persönlich hab nix gemerkt. Nach weiteren Stunden Fahrt durch tollste Berglandschaften haben wir den letzten und schönsten Tagesstop an der "Laguna Colerado" gemacht, wo es auf 4.200 m Höhe doch tatsächlich  in einem von Mineralien rotgefärbten See massig Flamingos gab. 

Surreale Landschaften in luftigen 4.200 Höhenmetern

Und ich dachte immer, Flamingos mögens heiß...

Nachdem wir die rosa Vögelchen ausgiebigst bestaunen durften, ging es direkt in unser Nachtlager. Das hieß "Ende" und der Name ist dort Programm. Mitten im Nirgendwo standen ein paar Steinhütten und drum herum gab`s halt wirklich nichts. Von Heizung oder durchgehend Strom ganz zu schweigen. Mit uns waren noch zwei andere Gruppen in der Herberge. Alle saßen gelangweilt um einen Tisch rum und haben darauf gewartet, dass was passiert oder es wenigstens wärmer wird. Wurde es aber nicht. Als es zu schneien begann sind Lilly und ich schließlich auf einen Spaziergang raus. Zu sehen gab es wirklich einfach nur das Ende der Welt.

So siehts am Ende der Welt aus
Später gab es dann Abendessen und für eine Stunde Strom. Aus einigen Betten der anderen Gruppen kamen einige Höhenkranke gekrabbelt, die sahen halt echt nicht gut aus. Sind auch in stetiger Regelmäßigkei t Richtung Klo zum Übergeben gerannt.

Ich hatte noch meine Zahnbürste im Mund, zack ging um Schlag acht Uhr das Licht aus, Strom weg. Lilly und ich haben uns zusammen in ein 90-Zentimeter-Bett gequetscht, in der Hoffnung der Kälte so etwas Paroli bieten zu können (es herrschte - 8 Grad Aussentemperatur). Noch einige Zeit lagen wir da, haben getuschelt und gekichert, sind schließlich eingeschlafen. Aufgeweckt wurden wir, als eine unserer Zimmergenossinnen sich auf dem Weg Richtung Bad 3 Millimeter neben meiner Tasche übergeben hat. Von dem Zeitpunkt an hat es sich einfach nur noch zur Horrornacht entwickelt. Man konnte gar nicht mehr einschlafen, weil man ständig jemand Richtung Klo stürmen hörte. Ich hatte einen so trockenen Mund und Nase, dass war wirklich unangenehm. Und dann ständig die Angst, man selbst könnte noch diese Übelkeit bekommen. Das es von der Decke die ganze Zeit auf Lillys leeres Bett getropft hat, war da auch nur noch Nebensache.

Der Frühstückstisch am nächsten Morgen glich dem eines Altersheims. Alle saßen gerädert und dick angezogen da. Gesprächsthema Nummer eins waren der schlechte Schlaf, Kotzen und Stuhlgang. Menschen die sich erst einen Tag kannten hatten jegliche Hemmung verloren. Irgendwie war es schon witzig.

Unsere schlechte Autobatterie ließ uns auch am zweiten Tag im Stich und
so musste erst mal überbrückt werden um loszustarten...
Einmal losgestartet, durch  den dicken Nebel gekämpft, warteten auch schon wieder schönste Landschaften auf uns. So anstrengend es war, so sehr hat es sich gelohnt. 

Morgendlicher Restschnee vom Vortag 

Wunderschöne Lagunen von riesen Bergen umrandet

Unsere Höhenkranke hat wohl nur die Hälfte der Tour mitbekommen

Der gute Jose-Luis hat uns dann in dieser schönen Vulkangesteinslandschaft ein leckeres Mahl zubereitet.

Aus der Bahn ihr Lamas oder ihr landet auf meinem Teller!
Die zweite Nacht haben wir dann zum Glück wieder zurück in der Zivilisation verbracht. Direkt in Uyuni. Naja, etwas trostlos kommt einem die Stadt auf den ersten Blick schon vor. Aber nach der letzten Nacht waren wir einfach nur froh in einem Städtchen mit warmen Duschen zu sein. Nachdem wir uns dann auch noch Geld besorgt haben konnte es sogar auf zur ersten bolivianischen Shoppingtour gehen. Herrlichst.
So trist sah es in Uyuni aus...

Am dritten und letzten Tag ging es dann raus in die Salzwüste/auf den Salzsee. Der/die größte der Welt und ich meine ich hab mal gelesen, man kann es sogar vom Weltall aus sehen weil es so riesig ist! Dort wir natürlich auch Salz abgebaut, ungefähr so viel, wie viele Touristen da jeden Tag hinkommen, haha.

Hier wird Salz abgebaut

Wusstet ihr, dass ich über`s Wasser gehen kann?!

Und das war sie: Unsere Gruppe für 3 Tage (könnt ihr mich finden?)
Ja so waren die ersten Tage auf bolivianischem Territorium. Übrigens bin ich somit vom reichsten Land Südamerikas (Chile) ins ärmste (Bolivien) gewechselt. Und wie ich euch schon vorher mal berichtet habe, ist Bolivien ein wirklich tolles Land, das seinen schlechten Ruf nicht verdient hat. Warum einige Bolivien so schrecklich finden, kann ich nicht nachvollziehen. So unterentwickelt ist es nicht und so schlechte Straßen-, Essens- und Unterkunftsverhältnisse hat es dort meines Erachtens auch nicht. Die Menschen selbst waren alle durchgehend freundlich (Ausnahmen gibt`s immer). Und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dort natürlich unschlagbar.

Zum Thema Vorurteile kann ich euch übrigens noch eine kleine Geschichte erzählen. Vorgestern saß ich neben einer jungen Dame aus der DomRep und hab ihr erzählt, dass ich total überrascht und beeindruckt bin, wie pünktlich und organisiert hier in Südamerika die Busse fahren. Wirklich, die fahren auf die Minute genau oder eher früher, als später. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich immer eine der letzten im Bus bin, da ich natürlich deutsche Verhältnisse gewohnt bin (und eh gerne später als früher komme). Sollte der Bus mal irgendwo 5 Minuten zu lange stehen bleiben, rufen alle Insassen total aufgebracht "Vamos" (= "Auf geht`s). In Deutschland unvorstellbar. Bus und Bahn ständig unpünktlich, bei Stillstand sitzen alle da, warten und kucken doof. Das konnte sich das Fräulein gar nicht vorstellen, sind die Deutschen doch so für ihre Pünktlichkeit bekannt. Und überhaupt, wie kommt man auf die Idee in Südamerika wären die Leute unpünktlich oder unzuverlässig? Das war ihr schleierhaft!

Und übrigens bin ich jetzt wirklich kurz vor einer Mid-Life-Crisis. Gestern hat mich so ein Peruaner gefragt, ob ich die Tochter von so nem 85-jährigen Ehepaar wäre, das neben mir stand. Fünf Minuten später hat mich so ein 20-jähriges Mädel gesiezt. Meine Jugend ist dahin!

Sonntag, 1. April 2012

In, an und um die Copacabana...

...so, da wär ich wieder zurück in La Paz, morgen geht mein Flieger und irgendwie komm ich grad zu gar nix mehr. Die letzten Tage habe ich am und im Titicacasee verbracht, och war das schön. Nach den ganzen turbulenten Tagen in La Paz war mir wirklich nach etwas frischer Seeluft und Ruhe. Ich berichte euch heute einfach schnell ein wenig von meinem Ausflug dort hin, da mir wie immer keine Zeit für den versprochenen ausführlichen Rückblendenbericht bleibt...

Die Fahrt nach Copacabana barg einige Überraschungen. Zum einen durften wir mitten in der Fahrt separat zum Bus an ein Ufer übersetzen, zum anderen habe ich endlich mal wieder Argentinier getroffen, hach.

Passagiere und Fahrzeuge werden getrennt übergesetzt... da tut man gut
daran, wenn man sich erinnern kann, wie der Bus aussah, mit dem man
gekommen ist, haha...
Copacabana ist wirklich ein nettes kleines Dörfchen, das trotz dem ganzen touristischen Überlauf nicht an Charme verloren hat. Direkt am See gelegen mit direkter Anbindung nach "Isla del sol" - der Hauptgrund warum alle Gringos hierher strömen. Isla del Sol ist nämlich der Legende nach der Ort, an dem die Inka erschaffen worden sein sollen und der Mythologie zufolge der Geburtsort der Sonne. Jetzt wisst ihr es ganz genau. 

Das mit der Sonne ist immer so eine Sache. Bis jetzt hatten wir ja immer Glück. So verbrachten wir wirklich sonnige Tage in Copacabana, nur alle Inselrückkehrer haben von Regen auf der Sonneninsel berichtet... da hilft nur eins: Selber nachkucken, ob das stimmt...

Am Abend am Minihafen in "Copa", sieht doch nett aus, oder?
Den ersten Abend nach unserer Ankunft haben wir mit zwei netten Argentiniern verbracht. Hach, so ein Seeflirt ist doch immer recht. Irgendwie vergesse ich leider immer wieder, wie alt ich doch bin und langsam werde ich der Frage nach Zahlen, Daten, Fakten auch müde. Als ich erklärt habe, ich könnte Lillys Mutter sein, hat man wohl verstanden, ich WÄRE es und mein junger argentinischer Flirt ist wirklich fast vom Stuhl gefallen. Das war eine tragisch komische Situation, die Lilly gerettet hat in dem sie einfach behauptet hat, dass das nie und nimmer möglich wäre. Ich sags euch, ab heute bin ich 28 oder so und bleibe es für immer... hmpf.

Nachmittägliche Siesta, die Schuhe waren noch von der Death Road naß...

Copacabana von oben, gut wenn man ne Taschenlampe einstecken hat...

Überfahrt nach "Isla de la Luna"... durch sämtliche Wetterlagen

 

Nach einem Ausflug nach Isla de la Luna ging es weiter zur Nachbarinsel
Mit Sack und Pack sind wir auf die Insel angereist. Da hab ich erst mal blöd gekuckt, denn die war nicht flach, sondern ein steiler Hang inklusive Inkatreppe hat uns erwartet. Uhi uhi, ich sags euch, da musste ich meine Sachen echt mal schleppen, puh. Zum Glück war schnell eine Herberge mit direktem Seeblick gefunden und so sind Lilly und ich auf eine kleine sonnige (!) Erkundungstour losgelaufen.

Die Insel ist wirklich traumhaft. So viel Ruhe und Frieden habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Man war sofort verzaubert.
Sieht doch aus wie im Märchenland, oder?

Hier sind wir auf ein Mittagessen eingekehrt
Unsere Herbergsmama war echt witzig und auch irgendwie nervig. Wahrscheinlich wir man so abgeschnitten von der Welt einfach seltsam. Neugierig war sie auch. Für ein Schwätzchen hatte sie immer Zeit und wollte alles wissen. Wir kamen uns schon wie die "Bunte" vor. Und geschäftstüchtig war sie. Wollte uns immer ein Essen verkaufen, am besten zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Man hatte kaum die Chance es abzulehen, da sie es nicht als Angebot formulierte sondern quasi als Pflicht... wie kleine Kinder hatten wir ein schlechtes Gewissen und Angst, als wir wo anders aßen, sie könnte uns erwischen. Ja, die Bolivianerinnen wissen schon, wie man es macht  ;)
Und eigentlich wollte ich zusammen mit diesem Lama ein Foto machen,
aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das Lama keine Lust dazu ;)
In der Nacht hatte es wie aus Eimern geregnet, so ein Unwetter habe ich schon lange nicht mehr gehört. Am Morgen jedoch ist die Sonne wieder herausgekrochen und hat uns den Tag über begleitet. Lilly und ich sind zum anderen Inselende aufgebrochen, dort wo die ganzen Inkaschätze zu finden sind... Unsere Herbergsmutti wollte uns noch ein Boot andrehen, dass uns dort hin schippern sollte, da der Weg hin und zurück ja doch weit sei. Trotz kurzer Überlegung winkten wir ab und waren überzeugt, dass es nicht weit sein könne...
Von der Landschaft bzw. dem Seeblick konnte ich mich nicht satt sehen

Obwohl die Leute Wäscheleinen haben, legen sie die Kleider nur aus...

Oben auf m "Mirador"
So sind wir also die Stecke tapfer gelaufen. Gut 20 - 25 km, auf luftigen 4.000 Metern. Ständig bergauf und bergab. Ich sags euch... Das war die wahrscheinlich körperlich anstrengendste Tour meines Lebens!!! Lilly und ich dachten zwischendurch echt, wir kommen vor Einbruch der Dunkelheit nimmer heim. Und gekeucht haben wir... es war einfach nur schrecklich schön. Eins weis ich nun gewiss: So einen 6.000er brauch ich net besteigen, weil in der Höhenluft ist das einfach nur Selbstmord. Ich hatte ständig nur die Bilder vom Reinhold Messner im Kopf, wie er mit dem Beatumungsgerät auf m Berg steht. Das hätte ich auch gern gehabt. Und der weg schien einfach nicht zu Enden. Nach jedem Berg kam noch ein Berg. Glückgefühle kamen am Ende kurz auf, waren aber nur von kurzer Dauer, da wir ja zurückeilen mussten! Solltet ihr jemals auf der Insel sein: Nehmt ein Boot oder mehr Zeit mit...

Das ist der berühmte Ritualtisch der Inka
 So, ich muss an der Stelle leider abbrechen, weil die Zeit sitz mir im Nacken, ich bin viel zu spät dran und überhaupt. Hoffe ihr bliebt mir treu und schreibt mir gelegentlich eine Mail. Freue mich wirklich immer über eine jede Zeile. Wünsche euch schon mal frohe Ostern. Melde mich vor nächster Woche wahrscheinlich nimmer, bin ja im Amazonas-Dschungel bei den Malaria-Moskitos und "Pinken Delfinen"...