Ach, ich sag`s euch. Am Ostersonntag bin ich noch im Dschungeldorf gehockt, hab fleissigst an diesem Blog geschrieben und als ich es abspeichern wollte ist die Leitung abgebrochen und alles war futsch. Naja, ich hab`s tapfer hingenommen, schreibe euch diese Zeilen aus einem Bus in Peru und hoffe wirklich, dass ich in den nächsten Wochen regelmäßiger zum Bloggen komme.
Vom Amazonasdschungel berichte ich euch demnächst, hinke ja meinen Reiseerzählungen gut einen Monat hinterher... Aber um euch schon mal ein Schmankerl zu bieten, hier ein Fotoauszug von dem erlebnisreichen Ausflug. Ich habe nämlich ein neues ungeahntes Talent in mir entdeckt: Das Töten von Piranhas. Habe somit auch einen neuen Spitznamen verpasst bekommen, "Killer" haha. Unser Guide durfte wegen der Semana Santa (Ostern) kein Tierchen angeln oder töten und der irische Bub, den wir an Bord hatten, wollte die armen Viecher mit ner halbleeren Plastikflasche erledigen. Das war aber wenig effektiv (ewig leidendes Zappeln) und so habe ich mit dem Holzbrett den Fischlis einen schnellen und angenehmen Tod bereitet. Bin ja Tierfreundin. Übrigens haben die Biester echt viele spitze kleine Zähnchen. Ein Fisch hat die Zehe von besagtem Iren beim Rumzappeln erwischt und fest zugebissen. Kurzer Aufschrei des Buben und dann hab ich mich um den Rest gekümmert.
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| In the dschungel they call me killer, haha |
So und hier jetzt der lang versprochene Bericht von unsere Tour über die Anden nach Bolivien:
Auf die Tour nach
Uyuni hab ich mich wirklich gefreut. Sollte es zu den Highlights meiner Reise gehören. Das der Trip anstrengend wird, wußten wir schon vorher. Anstrengend war aber auch schon die Suche nach einem Anbieter. Manche machen da ja echt ne Wissenschaft draus, laufen alle Reiseanbieter der Stadt ab und lesen dann sämtlichste Rezessionen im Internet. Ich hatte eine Empfehlung von meinen Spaniern und damit war die Sache klar. Kurze Verunsicherung folgte, als wir zwei Deutsche getroffen haben, die uns mit ihren Ansprüchen und Negativ-Internet-Rezessionen schlimmste Bilder gemalt haben. Aber während die noch immer auf der Endlossuche nach dem passenden Anbieter waren, sind wir schon abgereist...
Los ging es früh am Morgen. Mit Sack uns Pack haben wir uns an den Treffpunkt geschleppt. Im Gepäck hatten wir jeweils 10 Liter Wasser (insgesamt also 20 Liter), da Lilly und ich unbedingt genug zu Trinken dabei haben wollten und noch eine Tüte voller Essenvorräte. Etwas deutsch ist das wohl, aber für uns hat es sich bewährt...
Mit einem Kleinbus wurden wir an die bolivianische Grenze gekarrt. Dort stand ein kleines Hüttchen, das ich nie als Grenzhäuschen wahrgenommen hätte, wäre es nicht dran gestanden. Rasch wurden Ein- und Ausreisestempel verteilt. Es herrschte ein großes Getümmel, da ja außer uns noch einige andere Leute von Bussen für die Tour angespült wurden. Witzig war, dass wir uns schließlich mehr oder minder einen Jeep aussuchen konnten, der noch frei war. Da haben wir nur an die zwei deutschen Mädels gedacht, die unbedingt das Beste vom Besten buchen wollten. Zum Schluß ist es dann doch egal, weil es per Zufallssystem verteilt wird. Die Leute in unserem Jeep hatten alle bei einem anderen Anbieter gebucht und alle einen anderen Preis bezahlt. Willkommen in Bolivien!
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| Unser Lovecar vollbepackt |
Das Gepäck wurde aufs Jeepdach geschnallt, alle einsteigen und los geht`s!? Nicht wirklich. Unser Auto sprang nicht an und musste erst mal los geschoben werden, haha. Damit haben sich üble Gerüchte über den maroden Zustand dieser Kisten gleich bestätigt. Anschnallen konnte man sich eh nicht (es gab keine Gurte mehr), die Windschutzscheibe hatte massive Sprünge und auch sonst war nichts so wirklich frisch (weder Tank- noch Geschwindigkeitsanzeiger haben sich bewegt). Aber ganz ehrlich, damit habe ich schon vorher gerechnet und wenn man sich auf diese Tour begibt, sollte man sich auch keine weiteren Gedanken machen, sonst muss man es einfach bleiben lassen...
Insgesamt waren wir zu sechst (alles Mädels) und unser liebreizender Fahrer: Jose-Luis. Der war echt total witzig, sprach natürlich nur spanisch und wurde von uns erst mal Jean-Paul getauft, da wir uns seinen Namen nicht merken konnten. Die ersten Stopps waren echt schön. Zwischen den ganzen Bergen haben wir hübsche Lagunen besucht,
Vicunas gesehen und mittags durften wir dann in einer heißen Quelle baden.
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| Laguna blanca |
Mittags sind wir in eine kleine Stube eingekehrt, in der schon Essen auf uns gewartet hat. Und es gab tatsächlich leckeres Lamafleisch. Neugierig war ich ja schon, wie das schmeckt. Und ich kann euch nur gutes berichten. So lecker hat das geschmeckt, dass ich mir direkt noch einen Nachschlag gegönnt habe! Aber kein Wunder, das Fleisch wird ja unter besten Biobedingungen produziert: Freilaufend in unberührter Andennatur, viel Muskeln und leckeres Fett wegen der Kälte. Ach, ich krieg nur beim Gedanken daran Hunger. Bei jedem Lama das ich jetzt sehe denke ich nur noch an Fleisch, jamjam.
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| Leckeres Lamafleisch, yummy |
Nach dem Essen ging es weiter den
Altiplano hoch. Wirklich gemerkt hab ich erst mal nix, hab aber auch wie eine Bekloppte getrunken da es mit das beste Mittel gegen Höhenkrankheit sein soll. Viele kriegen wegen der Höhe erst mal Kopfschmerzen oder einen Druck im Kopf. Ich persönlich hab nix gemerkt. Nach weiteren Stunden Fahrt durch tollste Berglandschaften haben wir den letzten und schönsten Tagesstop an der "Laguna Colerado" gemacht, wo es auf 4.200 m Höhe doch tatsächlich in einem von Mineralien rotgefärbten See massig Flamingos gab.
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| Surreale Landschaften in luftigen 4.200 Höhenmetern |
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| Und ich dachte immer, Flamingos mögens heiß... |
Nachdem wir die rosa Vögelchen ausgiebigst bestaunen durften, ging es direkt in unser Nachtlager. Das hieß "Ende" und der Name ist dort Programm. Mitten im Nirgendwo standen ein paar Steinhütten und drum herum gab`s halt wirklich nichts. Von Heizung oder durchgehend Strom ganz zu schweigen. Mit uns waren noch zwei andere Gruppen in der Herberge. Alle saßen gelangweilt um einen Tisch rum und haben darauf gewartet, dass was passiert oder es wenigstens wärmer wird. Wurde es aber nicht. Als es zu schneien begann sind Lilly und ich schließlich auf einen Spaziergang raus. Zu sehen gab es wirklich einfach nur das Ende der Welt.
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| So siehts am Ende der Welt aus |
Später gab es dann Abendessen und für eine Stunde Strom. Aus einigen Betten der anderen Gruppen kamen einige Höhenkranke gekrabbelt, die sahen halt echt nicht gut aus. Sind auch in stetiger Regelmäßigkei t Richtung Klo zum Übergeben gerannt.
Ich hatte noch meine Zahnbürste im Mund, zack ging um Schlag acht Uhr das Licht aus, Strom weg. Lilly und ich haben uns zusammen in ein 90-Zentimeter-Bett gequetscht, in der Hoffnung der Kälte so etwas Paroli bieten zu können (es herrschte - 8 Grad Aussentemperatur). Noch einige Zeit lagen wir da, haben getuschelt und gekichert, sind schließlich eingeschlafen. Aufgeweckt wurden wir, als eine unserer Zimmergenossinnen sich auf dem Weg Richtung Bad 3 Millimeter neben meiner Tasche übergeben hat. Von dem Zeitpunkt an hat es sich einfach nur noch zur Horrornacht entwickelt. Man konnte gar nicht mehr einschlafen, weil man ständig jemand Richtung Klo stürmen hörte. Ich hatte einen so trockenen Mund und Nase, dass war wirklich unangenehm. Und dann ständig die Angst, man selbst könnte noch diese Übelkeit bekommen. Das es von der Decke die ganze Zeit auf Lillys leeres Bett getropft hat, war da auch nur noch Nebensache.
Der Frühstückstisch am nächsten Morgen glich dem eines Altersheims. Alle saßen gerädert und dick angezogen da. Gesprächsthema Nummer eins waren der schlechte Schlaf, Kotzen und Stuhlgang. Menschen die sich erst einen Tag kannten hatten jegliche Hemmung verloren. Irgendwie war es schon witzig.
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Unsere schlechte Autobatterie ließ uns auch am zweiten Tag im Stich und
so musste erst mal überbrückt werden um loszustarten... |
Einmal losgestartet, durch den dicken Nebel gekämpft, warteten auch schon wieder schönste Landschaften auf uns. So anstrengend es war, so sehr hat es sich gelohnt.
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| Morgendlicher Restschnee vom Vortag |
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| Wunderschöne Lagunen von riesen Bergen umrandet |
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| Unsere Höhenkranke hat wohl nur die Hälfte der Tour mitbekommen |
Der gute Jose-Luis hat uns dann in dieser schönen Vulkangesteinslandschaft ein leckeres Mahl zubereitet.
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| Aus der Bahn ihr Lamas oder ihr landet auf meinem Teller! |
Die zweite Nacht haben wir dann zum Glück wieder zurück in der Zivilisation verbracht. Direkt in Uyuni. Naja, etwas trostlos kommt einem die Stadt auf den ersten Blick schon vor. Aber nach der letzten Nacht waren wir einfach nur froh in einem Städtchen mit warmen Duschen zu sein. Nachdem wir uns dann auch noch Geld besorgt haben konnte es sogar auf zur ersten bolivianischen Shoppingtour gehen. Herrlichst.
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| So trist sah es in Uyuni aus... |
Am dritten und letzten Tag ging es dann raus in die Salzwüste/auf den Salzsee. Der/die größte der Welt und ich meine ich hab mal gelesen, man kann es sogar vom Weltall aus sehen weil es so riesig ist! Dort wir natürlich auch Salz abgebaut, ungefähr so viel, wie viele Touristen da jeden Tag hinkommen, haha.
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| Hier wird Salz abgebaut |
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| Wusstet ihr, dass ich über`s Wasser gehen kann?! |
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| Und das war sie: Unsere Gruppe für 3 Tage (könnt ihr mich finden?) |
Ja so waren die ersten Tage auf bolivianischem Territorium. Übrigens bin ich somit vom reichsten Land Südamerikas (Chile) ins ärmste (Bolivien) gewechselt. Und wie ich euch schon vorher mal berichtet habe, ist Bolivien ein wirklich tolles Land, das seinen schlechten Ruf nicht verdient hat. Warum einige Bolivien so schrecklich finden, kann ich nicht nachvollziehen. So unterentwickelt ist es nicht und so schlechte Straßen-, Essens- und Unterkunftsverhältnisse hat es dort meines Erachtens auch nicht. Die Menschen selbst waren alle durchgehend freundlich (Ausnahmen gibt`s immer). Und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dort natürlich unschlagbar.
Zum Thema Vorurteile kann ich euch übrigens noch eine kleine Geschichte erzählen. Vorgestern saß ich neben einer jungen Dame aus der DomRep und hab ihr erzählt, dass ich total überrascht und beeindruckt bin, wie pünktlich und organisiert hier in Südamerika die Busse fahren. Wirklich, die fahren auf die Minute genau oder eher früher, als später. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich immer eine der letzten im Bus bin, da ich natürlich deutsche Verhältnisse gewohnt bin (und eh gerne später als früher komme). Sollte der Bus mal irgendwo 5 Minuten zu lange stehen bleiben, rufen alle Insassen total aufgebracht "Vamos" (= "Auf geht`s). In Deutschland unvorstellbar. Bus und Bahn ständig unpünktlich, bei Stillstand sitzen alle da, warten und kucken doof. Das konnte sich das Fräulein gar nicht vorstellen, sind die Deutschen doch so für ihre Pünktlichkeit bekannt. Und überhaupt, wie kommt man auf die Idee in Südamerika wären die Leute unpünktlich oder unzuverlässig? Das war ihr schleierhaft!
Und übrigens bin ich jetzt wirklich kurz vor einer Mid-Life-Crisis. Gestern hat mich so ein Peruaner gefragt, ob ich die Tochter von so nem 85-jährigen Ehepaar wäre, das neben mir stand. Fünf Minuten später hat mich so ein 20-jähriges Mädel gesiezt. Meine Jugend ist dahin!