Okay Leute, wie immer bin ich viel später dran, als gedacht. Aber ihr habt euch wohl langsam dran gewöhnt. Jetzt wo ich meine vermutlich letzte Station in Peru erreiche, wird es Zeit, dass ich euch etwas mehr von diesen Land, den Leuten und deren Sehenswürdigkeiten erzähle.
Der Unterschied zwischen Peru und Bolivien hat sich am ersten Tag anhand zweier Sachen sehr schnell bemerkbar gemacht: Erstens ist Peru im Vergleich (und auch als gedacht) viel teurer und zweitens sind die Leute in Sachen Verkaufsargumente echt auf Zack! Mein erster Marktbesuch war wirklich interessant. Wann auch immer ich gesagt/behauptet habe, ich hätte das potentielle Kaufgut Andernorts viel billiger gesehen/gekauft, hatte ein jeder Händler sofort eine passende Antwort für den geforderten Preis. "Oh, aber das hier ist aus Babyalpakawolle, die ist hochwertig!" oder "Das hier ist doppelt gestrickt und somit qualitativ hochwertiger!" oder "Ja aber der Pulli hier hat viel mehr Muster als deiner und ist somit viel aufwendiger und hochwertiger!". Ihr merkt schon, die Marktwirtschaft und deren Verkaufsstrategien haben in Peru bereits voll eingeschlagen. Da haben die in Bolivien noch aufzuholen. Witzig ist, dass es hier so ziemlich den gleichen Plunder zu kaufen gibt, wie dort. Da fragt man sich, wer hat`s erfunden, wer stellt`s her und wird das Zeug gar importiert? Im Rechnen sind beide gleich schlecht...
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| Bilderrätsel: Was ist das? |
Wie gesagt, das Leben hier ist schon teurer als gedacht, natürlich besonders in den Touristenhochburgen. Heute hat mich ein Bauarbeiter ausgefragt, wie viel Stunden wir in Alemana denn so arbeiten, wieviel Urlaub wir haben usw. Und soll ich euch was sagen? Der arbeitet auch nur 8 Stunden am Tag, hat einen Monat Urlaub im Jahr und legt sich nach der Arbeit gerne vorn Fernseher auf die Couch. Da fragt er mich, was in Deutschland anders ist, als hier. Hmmmm... fällt euch da noch was ein? Mir spontan erst mal nix.
Auch erwähnenswert ist die Definition von defensiver Fahrweise hier. Wer in Peru in ein Taxi oder Minibus steigt, kann sich auf ein Hupkonzert gefasst machen. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit wird innerorts wie außerorts gefahren. Sind Kinder, Schweine, Hunde oder potentielle Gefahrensitutationen in Sicht, wird einfach gehupt. Also so alle 3 - 5 Sekunden. Die Hupe wird auch gerne mal mit dem Gas verwechselt in der Hoffnung den Vordermann schneller überholen zu können. Eins ist es also auf jeden Fall: laut und schnell!
In meinem letzten Bericht von Peru, hab ich euch ja über Arequipa berichtet. Danach ging es per Nachtbus (hock grad mal wieder in einem, jaul) nach Cusco. Und dahin wollt ich ja unbedingt, ihr wisst schon, Machu Pichhu und so. Wäre es nicht der Ausgangspunkt für den MP, wäre dort sicher weit weniger bis gar nix los. Cusco ist ein nettes Städtchen, erinnert mal wieder an eine südspanische Stadt... aber wen wundert`s. Man kann dort natürlich ganz viele Inkamuseen besuchen, zu den unzähligen spanischen Kirchen pilgern oder ein paar Inkamauerüberbleibsel suchen. Diese haben weder diverse Erdbeben oder die Spanier geschafft zu zerstören. Made by Inka stand halt noch für Qualität!
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Auflösung: Salzbecken in der Nähe von Maras (Cusco). Es gibt dort eine
salzhaltige Erdquelle. In Europa wird es sauteuer verkauft, da es total
hip und bio ist und alle lebensnotwendigen Mineralien enthält.
Klar hab ich mir da a Päckle mitgenommen.
Mein Koffer ist eh schon voll... au scho Wurscht.
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Rund um Cusco ist das "Heilige Tal", da gibt`s dann auch ganz viel zu machen, zu bestaunen und super Möglichkeiten Geld auszugeben. Am besten man bringt dort hin viel Zeit und Moneten mit und alles ist wunderbar. Bei meinen geplanten Ausflugszielen ins Umland bin ich immer wo anders gelandet, als ursprünglich geplant. Das ist doch das tolle am Reisen, daß alles offen ist und einen der Zufall lenkt. So bekam ich z. B. bei ganz netten Leuten eine spontan kostenlose Hausrundführung in einem kleinen Dorf. Die haben mir ihre eigene
Chicha Produktion gezeigt (ist hier eine beliebte Sache). Und einen Blick durfte ich sogar in die Vorratskammer werfen, in der auf dem Boden in der Ecke ein paar Meerschweinchen herausgequickt haben! Die vegetieren dort wohl im Dunkeln dahin, bis sie zu einem besonderen Familienanlaß rausgeholt werden. Ihr wisst schon für was. Probieren konnte ich leider noch keins, weil in Cusco gabs Cuy nur in den teuren Touri-Restaurantes und wenn, dann will ich die einheimische Version probieren. Mir wurde bis jetzt aber nur Gutes davon berichtet. Man muss kulinarisch immer offen bleiben! Wobei ich mich grad ja eher den Südspeisen wie
Churros und
Picarones widme. (Ina freut dich hoffentlich zu lesen!). Und Torten hat`s hier, die sind wirklich erste Sahne. Wenn ich zu anderen immer sage, dass manche Torten hier besser schmecken als daheim, kann das mal wieder keiner fassen. Ihr wisst schon: In Deutschland ist alles immer pünktlich (hohoho) und zweitens gibts dort die besten Kuchen/Torten der Welt... ahhhhha. Ist es nicht schön was man immer wieder neues über sein eigenes Land im Ausland lernt!?
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| Die schmecken mindestens so gut, wie sie aussehen, ich schwör! |
So, ohje an dieser Stelle muss ich beichten, dass ich schon in Ecuador bin und kann es immer wieder aufs Neue nicht glauben wie wenig Zeit zum Bloggen bleibt...
Also, um endlich zum Höhepunkt meiner Peru-Reise zu kommen, will ich euch vom Machu Pichhu berichten. Der liegt ja mitten im Nirgendwo und kann mit einem Auto/Bus nicht angefahren werden. Irgendwie ja schon schlau von den Inkas eingefädelt haha. Aber damit die ganzen Touris ihren Weg nach dort machen können, wurde eigens eine Zugverbindung gebaut. Das ist wohl der einfachste, bequemste und
teuerste Weg um nach Aquas Calientes zu gelangen. Dann gibts noch den
Inka-Pfad. Der ist auch nicht billig, dauert mehrere Tage und man besteigt 4000er, übernachtet auf der Höhe in Zelten usw. Also nichts, worauf ich Lust habe, wenn es nicht sein muß. In den Höhen ist das einfach kein Spaß. Und seit einigen Jahren gibt es noch die billige Variante, das "Dschungel Trekking". Da darf man erst downhill biken (davon hab ich die Nase erst mal voll) und zwei Tage durch den Dschungel wandern. Klingt erst mal nett und kostet inkl. MP-Eintrittskarte auch nur 200 Dollar. War schon kurz davor das zu machen bis ich auf einer Parkbank ein Mädel getroffen habe, mit der ich zusammen einen Plan D geschmiedet habe: Es einfach alleine machen und das Geld sparen. Ursprünglich wollten wir zusammen losziehen, hat sich zeitlich dann doch nicht ergeben. Habe also etwas versucht drüber zu googeln, denn etwas unwohl war mir schon beim Gedanken allein durch den Dschungel zu wandern. Man kann die ganze Tour, die verkauft wird, selbst machen. Ich habe aber beschlossen nur das letzte Stück zu gehen, da es mir allein zu gefährlich schien... etwas habe ich ja schon gehofft im Sammelbus dahin evtl. einen Gringo zu treffen, der das Vorhaben teilt, aber habe ich nicht. Um 3.00 Uhr früh ging`s dann los. Die Fahrt ging abenteuerlich über holprige Straßen. Die Landschaft ist aber wirklich ein Traum. Fruchtbarstes tropisches Gefiele. Da wächst halt alles: Kaffee, Papaya, Bananen und und und. Wer hätte gedacht das es um den Machu Picchu so aussehen könnte? Ich nicht.
Zwei mal musste ich dann noch ein Sammeltaxi wechseln. Habe gelernt, dass mindestens 10 Menschen in einen Kombi passen und das man den Führerschein im Lotto gewinnen kann. Mein letzter Fahrer ist mit einem Bleifuß und der Hand auf der Hupe steile Klippen entlang gerast, immer davon überzeugt der Gegenverkehr hält bzw. keiner um die Kurve kommt. Auf meinem Rückweg lag übrigens ein Auto in der Schlucht, das 2 Tage vorher abgestürzt ist. Bei dem Anblick und der Nachricht hab ich kurz mal geschluckt... mich aber nicht gewundert. Auf dem Weg dort hin konnte ich sogar einige Gruppen wandern sehen, die die Dschungel tour gebucht hatten. Fand das echt witzig, dass die wirklich genau die selbe Route machen wie ich. Hab mir dann noch ein Frühstück gegönnt um schließlich bis nach Hydro Electrica (Wasserelektrizitätswerk) zu fahren. Ab da hieß es wandern. Also bin ich erst mal den Gleisen gefolgt. Aber irgendwie war es komisch, denn plötzlich sind die geendet und es ging steil einen Berg hoch, durch Dickicht und es gab keinen richtigen Weg. Fand das etwas seltsam, da es im Internet als "einfacher flacher Weg" beschrieben wurde. Spätestens als ich auf eine Nasenbärfamilie getroffen bin, kam mir die Sache seltsam vor. Schließlich bin ich umgedreht und wollte nach dem Weg fragen. War aber nicht notwendig da ich auf meinem Rückweg mal wieder auf eine Dschungeltourgruppe gestoßen bin und denen erst mal folgen konnte.
Der Weg war wirklich einfach zu gehen, zwischen Fluß und Schienen eingebetet. Ganz viel Grün und leider unreife Bananen! Hier ein paar Bilder damit ihr euch eine Vorstellung machen könnt.
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| Die Bananen waren leider noch nicht reif |
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| Bei der Aussicht macht das Wandern Spaß :) |
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| Regen mit Sonnenschein |
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| Immer den Schienen folgen und nix kann schief gehn! |
Nach 2 - 3 Stunden habe ich den Eingang vom Machu Pichhu passiert und erste Vorfreude kam auf. In Aquas Calientes angekommen bin ich nach einem Abendmahl platt vom Tag direkt ins Bettchen gehüpft. Am nächsten Tag habe ich tatsächlich meinen Wecker überhört OH SCHRECK! Um 4.30 Uhr bin ich zum Glück aufgewacht und hab mich in Windeseile auf den Weg gemacht. Da angeblich so viele Besucher bereits um 4.00 Uhr loslaufen war ich fest überzeugt, auf weitere Pilgerer zu treffen. Es gab aber erst mal keine. Mit der Taschenlampe in der Hand bin ich rum geirrt und den Pfeilen gefolgt. Steil ging es die Inkastufen hoch. (Alternativ könnte man übrigens auch mit einem Bus den Berg hochfahren, mit einer eigens für die Touris angelegten Straße.) Anfangs habe ich noch Leute überholt. Aber so nach der 500sten Stufe ging mir die Puste aus und ich wurde überholt, keuch. Zwischendurch war ich schon am Überlegen gar umzukehren, weil es soooo schlimm anstrengend war. Oder wenn es noch möglich gewesen wäre, den überteuerten Bus zu nehmen, ich hätte es vielleicht gemacht, hahaha. Ein Deutscher hat mir dann noch eine Hand voll Coca-Blätter in die Hand gedrückt und meinte ich soll die kauen, bringt Energie. Obwohl ich den Geschmack ja net mag, hab ich mir die in die Backe gestopft. Der Typ ist nämlich ohne jeglich scheinbare Anstrengung wie Asterix nach dem Zaubertrank da hoch gesprintet.
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Kurz vorm Ziel: Sauerstoffmangel, feuerrotes Gesicht,
naßgeschwitzte Haare und die Laune nahe dem Nullpunkt. |
Juuuuhuuuuu! Irgenwann nach sechs Uhr bin ich wirklich da oben keuchend angekommen und habe mich zwischen die Touris eingereiht, die quick fidel aus dem Bus gehüpft sind. Etwas komisch haben die mich schon beäugt. Aber hey, sollen die mal wenigstens die halbe Strecke laufen und in den Spiegel kucken.
Aus lauter Sauerstoffmangel im Hirn habe ich alles erst mal nur noch automatisch gemacht. Und der Gedanken das ich für sieben Uhr eines der 200 Tickets für die Besteigung des
Waynapichu hatte, war fast schon eine Strafe. Also bin ich tapfer in die Richtung des Berges gelaufen und wurde auf dem Weg dort hin erst mal mit einem wunderschönen Ausblick belohnt.
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Erstes Foto am Morgen - keine Wolken verhüllen die Stadt. Fast eine
Seltenheit! Die Freude ist groß aber nur von kurzer Dauer. Direkt
geht`s weiter nach Waynapichhu (Berg im Hintergrund) hechel. |
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Ich dachte ja, die Lamas hängen da ständig ab und habe
leider nur einen schnellen Schnappschuß gemacht. Aber
natürlich ziehen die sich in eine stille Ecke zurück, wenn
dienTourimassen herbeiströmen... schaaaade! |
Noch mal ca. 1.000 sehr steile Steintreppen ging es weiter den Waynapichu hoch. Zum Glück habe ich eine nette Argentinierin kennen gelernt und so konnten wir uns gegenseitig motivieren. Wie ich all das geschafft habe, kann ich mir im Nachhinein nicht erklären. Noch mal würde ich das alles nicht hochlaufen. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Der Ausblick war fantastisch und endlich am Ziel angekommen zu sein und Luft zu holen war ein riesen Glücksgefühl. Mit oder ohne Machu Pichhu!
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| Steile Treppen ging es weiter den Waynapichhu hoch. |
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Geschafft! Endlich auf dem Gipfel angekommen. Der Sauerstoffmangel
hat das Adrenalin verstärkt. Die Freude war riesig. Wahrscheinlich
hätte ich in diesem Augenblick einfach alles toll gefunden ;) |
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Machu Picchu stellt die Form eines Kondors dar.
Links ( Schlangenlinie) seht ihr die Straße, die für die faulen und/oder
gehbehinderte Touristen gebaut wurde. Über die Errichtung einer
Gondel wird aktuell verhandelt. Tsssss...
Rechts seht ihr den Fluß, dem ich nach Aquas Calientes gefolgt bin! |
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So steil ging es den Waynapichhu hoch und wieder runter.
Und das. wo ich nicht mal schwindelfrei bin... aaahhh. |
Unten angekommen war ich echt verblüfft, wie steil und hoch der Berg aus der Perspektive aussieht. Das wir da hochgeklettert sind, war für mich unvorstellbar. Kann man sich anhand der Fotos gar nicht vorstellen, weil er da so mini aussieht und gar nicht so steil. Deshalb würde ich vorschlagen ihr fahrt da alle selbst mal hin und kuckt euch das an...
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| Am Nachmittag. Jetzt war ich vom Sonnenschein verschwitzt. |
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Wie sagen die Markler immer so schön: Bei einer Immobilie zählen drei Dinge:
Die Lage, die Lage, die Lage. Der Machu Pichhu hat alle drei! |
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So sieht ein Lamababy aus, dem das Fell juckt. Genügend Platz zum
Austoben hat`s ja! Wenn du groß bist, schmeckst du bestimmt super :) |
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| Mit dem Ausblick kann man doch leben, oder? |
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| Beliebtes Postkartenmotiv :) |
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| Noch ein Foto mit mir, haha |
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| Perfekter Ort um ein Spa zu eröffnen! |
Ach was soll ich euch jetzt schreiben. Es war einfach super da oben. So friedlich und grün und diese Aura. Hatte ja echt meine Bedenken das ich es zu touristisch finde oder überhaupt nicht toll. Aber es war himmlisch. Die Vögel haben gezwitschert, man konnte den Fluß bis da hoch rauschen hören. Und auch wenn es für manche nur ein Haufen Steinruinen ist, gibt es einem eine gute Ahnung davon, was für eine unglaubliche Stadt das mal gewesen sein muß! Es gibt sehr günstige Führungen und es lohnt sich auf jeden Fall sich einer anzuschließen. Ich will euch historische Details ersparen, aber die Inka waren wirklich schlaue Leute.
Der Himmel über Aquas Calientes bei Nacht war wunderhübsch. Es gibt ja kein Licht sonst weit und breit und somit bietet sich einem ein unvergessliches Himmelszelt. Obwohl mir am nächsten Tag echt jeder Muskel in den Wadeln geschmerzt hat, bin ich den Weg zurück gelaufen und hab drei total witzige deutsche Mädels getroffen, mit denen ich den Heimfahrtmarathon angetreten bin.
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| Leider fing es auch auf dem Rückweg zu nieseln an... |
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| Zurück über den Dächern Cusco`s |
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| Könnte auch in Florenz sein, hm? |
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| Des is doch au a fesches Lama :) |
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| Erste Fotogrüße aus Ecuador :) |
Meine Lieben, es ist jetzt schon wieder in den Morgenstunden und ich bin müde. Verzeiht jegliche Schreibfehler aber das hier ist nicht einfach. Hoffe ihr bleibt geduldig und freut euch auf weitere Geschichten aus Peru und Ecuador, wo ich seit gestern bin. Schicke euch sonnige Grüße aus dem Land, aus dem vermutlich alle Bananen auf der Welt kommen...
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