Donnerstag, 3. Mai 2012

Im Westen angekommen...

... so, jetzt wär ich dann auch schon in Lima! Und hier in Miraflores ist es wirklich, wie alle gesagt haben, wie in den USA! Konnte es mir bis gestern nicht vorstellen. Aber als ich heute an der Strandpromenade entlang geschlendert bin, hab ich mir gedacht, ich könnt grad auch in Kalifornien sein. Surferboys, Skateboarder, fesch westlich gekleidete Menschen die Sport treiben oder sich einfach nur vergnügen. KFC, Starbucks und wie sie alle heißen reihen sich aneinander und laden die Baseballcapträger auf Kalorien ein. Und die schauen vom Fuß bis zum Hals wirklich wie im Westen aus. Nur der Schwarzhaarkopf erinnert einen daran, wo man grade ist!


Auch wenn ich jetzt schon länger unterwegs bin, ist es für mich doch noch immer aufregend, wie weit ich es schon geschafft habe. Im Moment bin ich sogar mit meinen Reiseplänen etwas am Hadern, weil ALLES und JEDER immer wieder so sehr von Kolumbien schwärmt. Wie toll es dort ist, wie nett die Leute sind. Und  wenn, dann muss man da jetzt hin, bevor das Land vom Tourismus verdorben wird. Hm, klingt schon gut, oder? Flug von Quito nach Panama ausfallen lassen, einfach über Kolumbien per Boot nach Panama reisen, Kunas besuchen und von dort aus heim? Die Zeit wird`s zeigen.

Obwohl ihr wahrscheinlich auf die MaPi-Berichterstattung wartet, will ich vorher noch von den fehlenden "Abenteuer" bis dahin berichten. Wie gut es mir in Bolivien gefallen hat, habe ich euch ja schon oft genug geschrieben. Es fehlt mir wirklich. Da sich das Land gerade in einem spürbaren Umbruch befindet, wird es sich wohl verändern. Dort passiert grade ganz viel: Straßen werden gebaut, überhaupt wird viel gebaut, die Jugend orientiert sich am Westen. Traditionen gehen verloren, alles rückt der Globalisierung näher. Mir stellt sich da wirklich die Frage, warum wirtschaftlicher Aufschwung und Fortschritt automatisch westliche Vereinheitlichung und das Ende der eigenen Kultur und Tradition bedeutet?  Als ich in z. B. in Arequipa (die zweit größte Stadt Perus) angekommen bin, war ich total platt wie die Fußgängerzone dort aussah. So viel "westliche Modernität" an Geschäften und bei der Jugend hätte ich dort nicht erwartet. Für die ist es wahrscheinlich toll, weil es neu und anders ist. Aber für mich war es total schrecklich, weil ich hier nicht hergekommen bin um überteuerten Kaffee bei Starbucks zu trinken oder bei McDonalds Burger zu essen. Dabei hätten die Menschen hier so tolle eigene Sachen die im Zuge der Verwestlichung einfach so verloren gehen. Es ist so schade. Und in Bolivien wird es vermutlich bald auch so sein...

Zusammenfassung in Bildern...

                                                                
         

Was in Bolivien total toll ist, sind die viiielen frischen Früchte
in Form von Saft, Shake oder Salat für nur ein paar Cent.

Immer wieder nett anzuschauen waren die traditionell
gekleideten Frauen. Mal mehr, mal minder freundlich. Ein
mal mussten wir leider miterleben wie ein Kind geschlagen
und getreten wurde. Kein schönes Erlebnis :(
Man konnte sich nie sicher sein, was oder
wer in dem Tragetuch steckt.
Ein Baby oder doch Transportgut?

Es gab es ganz viele von diesen "Tante-
Emma-Läden". Vermutlich der Nebenjob
einer jeden Hausfrau. Selten war direkt
jemand im Laden anzutreffen. Meist musste
man erst mal laut rufen bis eine Dame kam.
Rein gehen konnte man eh nicht,
war quasi wie an der Nacht-Tankstelle. 
Das hier sieht nicht nur aus wie ein Krankenzimmer, daß
wurde es auch. In einem Bus voller Einheimischer, die
gestunken haben wie eine Mülltonne in der prallen Sonne,
sind wir eine Nacht über die holprigste und vermutlich
gefährlichste Straße ganz Boliviens gerast. Mir wurde total
schlecht vom Geruch und Gerüttel. Um vier Uhr früh kamen
wir dann an, haben in Eiseskälte bis um sieben gewartet,
um uns eine Herberge zu suchen. Danach mussten wir
einen Tag im Bett verbringen, um uns von all den Strapazen
 wieder zu erholen...

Auf dem Hexenmarkt in La Paz kann man sich die Karten legen (Foto)
oder aus Kokablättern lesen lassen. Getrocknete Lamaföten kaufen
Die vergräbt man unter der Türschwelle des neuen Eigenheims, daß
soll Glück bringen. Alles was das okkulte Herz begehrt gibt`s dort zu haben!

Endlich mal ein Lama, das
nicht die Ohrenzurücklegt
und sich zum Spucken
bereit macht!

Da traut man sich gar nix kaufen, wenn man die Dame
aufwecken muss. Übrigens: Sitzt der Hut gerade, bedeutet
es "Ich bin vergeben", sitzt er schief "Ich bin zu haben".
Wie bei uns mit der Dirndlschleife.  Andere Länder...
Wie immer bleibt die Frage: Koch- oder Eßbanane?
Ins "Valle de la luna" haben wir einen Sonntagsausflug gemacht.
War schön dort, weiter unten im Park war es noch schöner...
.
La Paz hat mich immer wieder an Stuttgart erinnert. Bei Tag und bei Nacht.

Einen Tag haben wir die "Death road" mit dem Mountenbike befahren.
Ich dachte ja erst, daß die da total übertreiben. Helm, Knie- und Armschützer
brauch ich nicht. Alles nur große Show. Aber alle 2 bis 3 Monate verunglückt
 auf dieser Straße ein Biker tödlich in den Abgrund. Und im Nachhinein
kann ich das leider auch glauben...

Hab mir da so eine Sonntagsfahrt vorgestellt, die auf 4.300 Metern startet,
sich durch fast alle Klimazonen Südamerikas zieht und man nebenbei noch
etwas die Landschaft genießen kann. In der Theorie klingt das doch nett.

Runter ging´s dann wirklich. Ungefähr 70 Kilometer, durch
Kälte und Regen, auf einem total rutschig steinigem Weg.
Ohne Leitplanken, die Hände ständig angespannt an der Bremse.
Genießen konnte ich da gar nix mehr. Dachte ständig ich rutsche
aus oder falle um und das dann direkt am Abgrund. Mir war
zwischendurch wirklich Angst und Bang und ging total die
Kraft aus. Warum ich das unbedingt machen wollte, konnte ich
nicht mehr verstehen. Ausserdem haben meine Hände/Finger
vom Dauerbremsen so wehgetan, musste abends eine
Schmerztablette schlucken. War cool, die offiziell
"Most dangerous road in the world" mal befahren
zu haben, aber noch mal muss ich das nicht machen!
Das war schon kurz vorm Ende. Endlich gute
Straßenverhältnisse und kein naher Abgrund.
Nur der Matsch der einem ins Gesicht
geschleudert ist, hat einem zu schaffen
gemacht. Hab eine Ladung ins Auge bekommen
und bin dann auch kurz mal gegen einen Fels
 (zum Glück nicht in den Abgrund) gerast.

Und so sieht eine Graslandebahn im Amazonas aus. Bin mit der TAM
(Militärairline) geflogen. War ein kurzer, aber turbulenter Flug mit harter Landung.

Und so siehts aus, wenn man dann in die Tiefen des Amazonas vordringt.

Sonnenuntergang mit großem Zirpkonzert. Nachts gab`s dann noch
eine Alligatorenrundfahrt...
Lieblingsbeschäftigung

Das war für 2 Nächte unser Zuhause auf Stelzen.
Mit 3 Hausalligatoren unten und diebischen Äffchen oben.


Auf der Suche nach einer Anaconda.
Unser Guide hat mit der Machete den Weg frei geschlagen.
Die dicke Backe hat er übrigens nicht wegen
Zahnweh sondern weil er grad Kokablätter "lutscht"...

Wir hatten zwar Gummistiefel an, aber die waren dann doch zu kurz.
Zwei Wochen vorher wurde hier ein Australier vom Aligator
gebissen, weil er dem Guide nicht glauben wollte, dass es wirklich
gefährlich ist da rumzulatschen und man vorsichtig sein soll... haha!
Und wir hatte 3 Mädels in der Gruppe die wirklich angstverschwitzt
da durchgezittert sind, weil sie ständig dachten eine Schlange kommt.

Mal wieder über den Fluß cruisen und nach Äffchen suchen...

Die Piranhaausbeute. Mit total simplen
selbst gebastelten Angeln haben wir
die gefischt. Kaum ist ein Stück Fleisch im
Wasser, knabbern die auch schon dran!
Schwierig wird es nur, die am Haken auch
wirklich raus zu kriegen...

Im gebuchten Unterhaltungsprogramm enthalten: Sonnenaufgang in der Pampa
Nicht gebucht, trotzdem enthalten: Millionen von Mücken.

   

Und so sieht`s da, wo ich war, von oben aus.
Der Flug hat sich schon allein wegen der
unglaublich schönen Aussicht auf den Urwald gelohnt!

Hierbei handelt es sich um kein Wartehäuschen sondern einem öffentlichen
Dorffernseher. 

In Peru ging es noch mal auf den Titikakasee. Dort leben die Urus auf selbst-
gebastelten  schwimmenden Schilfinseln. Auf dem Foto seht ihr, wie frisches
Totora-Schilf angekarrt wird, um entweder wieder eine Insel zu sanieren oder
ähnlich kreatives draus zu basteln (ein Schiff, ein Haus oder oder oder).

Die Schweinchen werden auf einer aufgeschütteten Weide gehalten.
Man kann sich gar nicht vorstellen das drum herum tiefer See ist, hm?
Hier gibt s die Bauanleitung für eine schwimmende Insel. Aus den verkorkten
Schilfwurzeln werden Blöcke gesägt. Auf diese wird dann kreuz quer
das getrocknete Schilf aufgeschüttet. Damit das ganze dann nicht über
den Titicacasee schwimmt und man gar in Bolivien landet müssen alle
Inseln noch mit Steinen oder so verankert werden. Fertig ist die Trauminsel?!

Und so sieht es dann aus, wenn man sich selbst eine "schwimmende Insel"
aus Totora-Schilf gezimmert hat. 45 hat s noch davon und ein paar werden
auch wirklich bewohnt (und nicht nur für die Touris so getan als ob, haha).
Aber gemüffelt hat es da, puh. Kein Wunder des Zeug schimmelt wahrscheinlich
von unten immer wieder weg. Deshalb muss oben immer wieder Schilf
aufgeschüttet werden. Wenn da mal ein größeres Boot vorbeifährt
schwankt das ganze Eiland. Und der Untergrund ist auch recht Abenteuerlich.
Ist quasi wie auf  einem Heuhaufen laufen.
Und so sahen die traditionellen "Autos" der Urus aus. 
Das war`s dann mal wieder für heute. Morgen geht es wahrscheinlich weiter in den Norden an den Strand.
Hoffe ihr hattet einen schönen ersten Mai. Hier haben die Leute den Tag auch gut gechillt hinter sich gebracht.
Sun is shining, weather is sweet :)
PS: Um die Bilder größer zu sehen, einfach drauf klicken und eine Galerie öffnet sich!

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