Eine nicht so schöne Sache, die mich im Moment begleitet, ist die Angst, ausgeraubt oder beklaut zu werden. Warum denn das auf einmal? Vor meiner Abreise war mir ja schon etwas mulmig was das alles angeht, hat man genug Geschichten gehört. Ausserdem hat einem alles und jeder nicht oft genug erzählen können, wie unglaublich gefährlich Südamerika sei. Einmal angekommen hab ich mich hier (eigentlich) immer sicher gefühlt und selbst die Gruselgeschichten von Bolivien haben sich nicht bestätigt. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, bin meinem Instinkt gefolgt und habe oft versucht Risiken einzuschränken...
Seit einer Woche habe ich jedoch so viele Menschen getroffen, die hier in Quito schon mehrmals überfallen und beklaut wurden. Selbst heute morgen in meinem Zimmer hat mir eine erzählt, dass sie jeweils an den zwei Tagen, an denen sie hier war, angegriffen wurde. Ich bin seit drei Tagen hier und kann zum Glück nichts negatives berichten. Okay, daß ist nicht ganz richtig. Denn gestern bin ich für den Samstagsmarkt nach Otavalo gefahren. Zum Schluß habe ich ein paar Fotos gemacht und da ich faul war, habe ich meine Kamera nur in die Jackentasche gesteckt. Nach all den Schauergeschichten der letzten Tage habe ich deshalb minütlich überprüft, ob die Kamera noch da ist. Doch plötzlich war meine Tasche leer! Ich war mir sicher, das konnte gerade erst passiert sein, schrei "Stop", aber kein Tatverdächtiger hat sich bemerkbar gemacht. Es waren einige Leute auf der Straße, aber irgendwie war ich mir fast sicher, daß es war ein junges Mädchen war, das eben auf die andere Straßenseite gewechselt ist. Also bin ich ihr hinterher, heb ihren Poncho hoch und da war sie auch: Meine Kamera. Das junge Ding war vor Angst so erstarrt, dass ich es ihr nur aus der Hand nehmen musste. Hab ihr noch ein Schimpfwort an den Kopf geknallt und bin dann zufrieden abgedampft. Tja, mein zweiter Diebstahlversuch in fünf Monaten und zum zweiten Mal konnte ich das vermeidliche Diebesgut zurückerobern. Gut, ne? Grundsätzlich fühl ich mich noch immer sicher, nur gehe ich momentan mit offenen Augen durch die Straßen und nehme keine Tasche mit in die Stadt. Ich denke, dass hilft...
Was mich aber wirklich seit MONATEN begleitet sind drei Sachen: Fußball, Reis mit Huhn und (mit) Fernseher. In Südamerika gibt es wohl keinen Menschen (oder Mann?), der nicht Fußball liebt. Und kaum sag ich, dass ich aus Deutschland bin, fängt ein jeder an von "Bayern-München" zu reden. Die Spiele, Spieler und was denn dieses München ist, bzw. bedeutet. In dem Augenblick ist es, als würde ich die Offenbarung bringen. Große Augen die einen anstarren und endlich diese quälende Frage beantwortet bekommen. Selbst als ich vom Machu Pichhu auf dem Rückweg war, lief in jedem noch so kleinen 3-Häuser-Dorf ein Bayern-München Spiel und im Auto durften wir quasi kein Wort sagen, weil der Fahrer im Radio dem Spiel aufmerksam gefolgt ist. Unfaßbar, oder? Seit zwei Wochen werde ich über die EM befragt. Soll ich euch was sagen: Ich wusste nicht mal, dass die ist! Heute war in Quito ein wichtiges Spiel - Ecuador gegen Kolumbien. Ich wollte grad noch fehlende Zutaten für das Abendessen einkaufen, aber in jedem Laden war kein Verkäufer zu finden weil die alle im Hinterzimmer an ihren Fernseher gefesselt saßen. Zudem konnte man aus allen offenen Wohnungsfenster das Spiel hören. Es ist wirklich verrückt!
Ja und da wären wir auch schon beim nächsten Thema: Fernseher. Hier steht in wirklich jeder noch so kleinen Bambus- oder Bretterhütte ein Fernseher. Oft sogar die teuersten und neuesten Modelle. Da frag ich mich immer, wie das sein kann. Wenn die Hütte vermutlich nicht mal halb so viel Wert ist, wie der Kasten? Und die Leute lllllliiiiiieeeebbbbeeeennnnn diesen Kasten. Hypnotisiert sitzt oder steht ein Jeder von 0 - 100 davor und kann nicht mehr wegschaun. An einem Ort darf der Fernseher nie fehlen, nämlich dort, wo es Essen gibt. In einer noch so wackligen Essensbude gibt es immer einen TV. Letztens hab ich sogar eine Anzeige für ein Restaurant gesehen, die mit Aircondition und Kabelfehrnsen für sich geworben haben. Ja wirklich, nicht mit ihrem guten oder günstigen Essen, nein, Kabelfernsehn!!!
Und da wären wir auch schon beim Essen selbst. Hachja, was soll ich dazu sagen. Mal andersrum gefragt: Hab ihr schon mal von der "großartigen" Küche Südamerikas gehört? Oder wofür es berühmt ist?(Mal abgesehen vom argentinischen Steak.) Ja genau, da habt ihr die Antwort. Für nix nämlich. Was für mich unfaßbar ist, dass die Leute hier wohl mehr Reis essen, als ein jeder Asiate. Das ist mein Ernst. Und das, wo hier nicht mal Reis angepflanzt wird. Selbst auf den Märkten kann man aus ca. 30 verschiedenen Reissorten wählen. Und was machen sie daraus? Hier in Ecuador nix bis nicht viel. Es gibt nämlich meist nur trocken Reis mit Huhn. Hat man Glück, kriegt man entweder noch eine Kelle Bohnen oder Fritten dazu. Lecker... nein, nicht mehr nach drei Monaten. Habe meinen Bedarf an Huhn für die nächsten Jahre gedeckt. Selbst auf den Galapagos-Inseln wurde in den einheimischen Lokalen nur trocken Reis mit Huhn vorm Fernseher angeboten. In meiner Not bin ich mit meinen Reisebekannschaften sogar in Touri-Restaurants ausgewichen um einfach nur mal Nudeln mit Tomatensoße zu essen, was aber 4 x so teuer ist, wie Reis mit Huhn. Soll das noch einer verstehen???
| Und so sehen die Täglichen Mittagessenmenükarten aus. Immer im Angebot, Reis mit Huhn. Oder Fisch, den ich ich leider nicht mag... |
| Bei dem Panorama fängt wohl jeder an freiwillig zu kochen! |
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