Donnerstag, 21. Juni 2012

Hängematten, kulturelle Aktivitäten, Dschungel und böse Geister

Treue Leser, mal wieder schreibe ich euch ein paar Zeilen aus meinem Lieblingsplatz: Der Hängematte. W-lan macht`s möglich. Hier in Ecuador gibt es drei Dinge, die in einem guten Haushalt nicht fehlen dürfen: 1. der Fernseher, 2. eine riesen Staude Bananen und 3. eine Hängematte. Die gibt es dann wirklich überall. Selbst am Arbeitsplatz. In jedem Laden ist der gut ausgeruhte Verkäufer zielsicher zu finden - vorm Fernseher in der Hängematte. 


Wieso sollte man sein Leben nicht auch während der Arbeit genießen...

Wie ihr wahrscheinlich wisst, bin ich seit einigen Tagen in der Selva (Amazonien). Und ich muss es wohl nicht schreiben, aber ich liebe den Regenwald. So schön grün, so schön feucht, so tolle Geräusche und ich hab auch noch Glück, denn hier regnet es zur Zeit nur nachts und die Tage sind sonnig. Meinen ersten Ausflug habe ich ohne ein bestimmtes Ziel unternommen. Bin mit dem Dorfbus über die frisch geteerte Dschungelstraße getuckert und wurde am Ende ausgespuckt.
Endlich habe ich dran gedacht, die mitgebrachten Luftballons zu verteilen.
Ein Lächeln konnte ich bei dem  junge Mann trotzdem nicht gewinnen.
Aus seinem Bananenblatt hatte er übrigens getrocknete Milch genascht.

Rote Bananen zum selber pflücken. Neulich beim EDEKA noch für 1,50 Euro
das Stück gekauft, in Ecuador für 0,05 Dollar//Stück. Oder im Wald für umonst!

Selbst im 300-Einwohner-Dorf im tiefsten Dschungel wird die EM
gekuckt. Nach meinem Ausflug ins Grüne konnte ich mich auf
einem Plastikstuhl ausruhen und den  letzten 20 Minuten
Deutschland : Niederlan(g)de folgen.
Hunde die bellen... dieser Kläffer wollte immer Affen jagen, aber kaum kam
ihm einer mal zu nahe, ist er panisch davon gerannt. War echt witzig..
Der Hund, der beste Freund des Affen... oder so. Die zwei waren ein Dreamteam.
Haben entweder miteinander gespielt, oder das Äffchen hat den Hund
mit irgendwas gefüttert. 
Mutprobe: Hand ins Maul des Gegenspieler stecken.

Letztens war meine Bank noch von Seelöwen besetzt, jetzt von Affen...

Ziel meiner Reise nach Tena war es eigentlich, einen Ausflug in den Dschungel bzw. eine "Indianergemeinde" zu unternehmen. Nachdem ich mir davon aber einige Fotos und Berichte angeschaut habe, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich das wollte. Warum? Irgendwie sah das alles aus wie Fasching. Der Häuptling von Kindelein umringt, die mit ihren Baströckchen und Kokosnuß-BH brav in die Kamera lächeln. Und um etwas wirklich seriöses zu finden, dafür fehlte mir die Zeit. Durch einen Zufall fand ich schließlich eine Möglichkeit, in einer Kichwagemeinde im Dschungel untergebracht zu werden.

Auf geht`s in eine Kichuwa-Kommune. 

Als ich in meinem neuen Zuhause ankam, durfte ich auch gleich den Rest der Reisegesellschaft kennen lernen. Zwei echte Klischee New Yorker (Vater und Sohn). Die beiden waren total witzig und haben meine Zeit versüßt. Manchmal bin ich ganz froh, wenn man nicht auf die üblich typischen "Backpacker" trifft. 


Das war`s dann auch schon, nur wir drei waren zu Gast in der Gemeinde und hatten einen eigenen Guide namens Jaime. Das fand ich echt luxuriös. So war auch unsere Unterkunft. Eine relativ neue Hütte, mit super Bad, Küche, Terasse und die Hängematten dürfen natürlich nicht fehlen.


So lässt es sich im Amazonas leben. Was man hier nicht sehen und hören kann
ist der rauschende Fluss gerade aus...

Anfangs war ich etwas irritiert. Dachte, die hätten die Hütte  extra für die Touris hingebaut und war fast etwas enttäuscht, nicht in einer Familie wohnen zu dürfen.  Wie ich später erfahren habe, hat es sich bei der  Holzhütte um das "Gemeindehaus" der Kommune gehandelt. Was ich total gut fand. Hintergrund ist, dass dieses Haus Geld für die Gemeinde einbringen soll, aber auch für alle ein Zentrum ist.  So waren jeden Tag Leute und Kinder der Kommune bei uns im Haus, haben entweder etwas weitergebaut oder 
sich vergnügt. Leider wurde die Hütte im 1. Stock noch nicht fertiggestellt. Alles wegen der Wirtschaftskrise von 2009, in dem Jahr hatten sie angefangen zu bauen. Die Krise hat sich nämlich auch auf den Tourismus ausgewirkt. Weniger Touristen, weniger Geld, kein fertiges Häuschen. Traurig, oder?

Kakaofrucht mit Kokaobaum im Hintergrund.


Unser Guide war echt nett, geduldig und kannte sich im Dschungel bestens aus. Jeden Meter hat er uns eine andere Pflanze vorgestellt und erklärt, was man mit ihr machen kann. Gegen Druchfall, gegen Fieber, gegen ungewollte bevorstehende Babys, Blätter in die man Essen zum Kochen einwickelt und die ihren Geschmack abgeben oder einfach nur das Kraut, das der Schamane für seine Riten verwendet. 

Spaßvogel beim Nasebohren...
Jaime schlägt den Weg frei.
Am Nachmittag stand Schwimmen auf dem Programm. Das wurde  witzig. Weil als wirklicher New Yorker kann man nicht schwimmen. Warum auch? In NY muss man nicht schwimmen können, haha. So wurde die Rettungsweste ausgepackt und Jaime hatte zu tun. Ein Nichtschwimmer im reissenden Fluß mit Weste. Welch Anblick. Aber alle hatten ihren Spaß. Ich habe die Gewalt des Flusses total unterschätzt. Hüpf´ also ohne Jaime in die Fluten und wurde erst mal davongetragen. Konnte mich mit größter Anstrengung ans andere Ufer retten, ächz. Hat mich kurz daran erinnert, dass ich auf den Galapagos doch tatsächlich in eine Strömung geraten bin und "gerettet" werden musste. Davon habe ich euch gar nicht berichtet, gel. Naja, habe es mit und ohne Jaime noch ein paar mal probiert und war von seinem Können ganz beeindruckt. Also diese Amazonasbewohner haben echt viel drauf, dass habe ich in diesen Tagen wirklich lernen dürfen!




In meiner ersten Nacht bin ich aufgewacht und hatte ohweh Magenweh! Als ich wieder aufgewacht bin, musste ich mich übergeben. Na prima! Das hat sich dann leider noch zwei, drei mal wiederholt. Am nächsten Morgen war ich total entkräftet, konnte nichts essen und mir war übel. Jaime wusste sofort an was es lag. Er hatte vergessen mich für die Dschungeltour mit roter Farbe zu bemalen, deshalb wäre jetzt der böse Spiritus der Selva über mich gekommen. Jawohl, ihr habt richtig gelesen, die bösen Geister haben sich meiner bemächtigt und die mussten ausgetrieben werden. Er ist also los, hat zig Zutaten für einen Zaubertee besorgt  und auch ein Schamane wurde bestellt. Ich war zu wehrlos und es ging mir schlecht genug, als das ich auch eine Ausräucherung über mich ergehen ließ. Mit angezündeter Kerze und einem Blätterstrauch hat der dann ewig über mir rumgewedelt und immer gemurmelt, das ich "muy mal spiritus" in mir hätte. Oi oi oi, das beruhigt nicht!
Danach musste ich noch Jaime`s Medizin aus dem Urwald trinken (in einem Schluck wurde ich angewiesen), hab mich noch ein mal übergeben und es ging bergauf. Ein Hoch auf die Naturmedizin, haha.


Was war ich froh, denn heute stand nämlich "kulturelle Aktivitäten" auf dem Tagesplan. Diese Bezeichnung alleine finde ich ja schon total inspirierend und habe schon wieder eine neue Geschäftsidee für daheim. Touristen mit typischen deutschen "kulturellen Aktivitäten" zu beglücken. Von Biergarten, Spätzle kochen bis Weihnachtsmarktbesuch oder Ostereier bemalen ist da alles drin. Hach, ich seh jetzt schon meine goldene Zukunft...


Bei uns hieß das erst mal einen Besuch daheim bei den Gemeineindemitgliedern. Hach, welch einfach glückliches Leben die haben, so schien es mir. So könnte ich mir meine Zukunft auch vorstellen.



Und schon wieder kann ich ein Schmuck-
stück mehr herstellen. Das dritte
auf meiner Reise. Geh bald in Produktion!
Das "Telefon" der Selva - eine Flußschneckenmuschel. Um
da einen Ton rauszubringen muss man ganz schön Puste haben.






Jaime hat es natürlich geschafft. Aber kuckt mal wie dick er
dafür seine Bäckchen aufblasen musste, hihihi.

Vater und Sohn beim Armbändchenbasteln :)

Nein, das ist kein Einheimischer, der ist aus dem Großstadtdschungel NYC.
Er durfte beim Yucastampfen helfen. Und kuckt euch doch mal den Herd an!

"Hat hier jemand was von Schokolade gesagt?"  fragt das
Herzchen links. Kakaobohnen beim Rösten. Die wurden
dann auch gemahlen.  Serviert wurde es dann pur oder mit Milch.
Ohne Zucker hat es dem Kleinen dann aber nicht geschmeckt.

Hachja, die Tage im Dschungel und der Gemeinde waren herrlich. Auch wenn ich vorher andere Vorstellungen hatte, so wurde es ein wunderschöner und unvergesslicher Ausflug. Vor allem das Nichtstun und (mit-)erleben des Alltags dort haben mich nachhaltig geprägt. Ich würde auf jeden Fall gerne noch ein mal zurückkehren, auch für längere Zeit!

Damit ihr euch mal vorstellen könnt, wie es aussieht, wenn ich euch schreibe!

Hach in Tena war es wirklich schön. Das war das Aufklaren am Morgen...

Kolibri in Mindo. Wow, was können die schnell fliegen!
So meine Lieben, inzwischen bin mit einem langwierigen Abstecher über Mindo in Quito angekommen. Heute ist auch tatsächlich mein letzter Tag hier, denn morgen geht es mit dem Flieger hoch nach Panama. Wo ist denn nur diese Zeit hin? 

Gerne gebe ich euch noch ein paar Zahlen, Daten und Fakten über Quito. Es ist die zweitgrößte Stadt Ecuadors (Guayaquil ist größer), dafür mit 2.850 m die höhste Hauptstadt der Welt. Hm, aber lag La Paz nicht höher? Ja, aber La Paz ist keine Hauptstadt, lediglich der Regierungssitz. Soviel zu den Superlativen. Das Wetter hier ist prima mild, Quito wird auch die "Stadt des ewigen Frühlings" genannt. Laut Reiseführer birgt es von allen südamerikanischen Hauptstädten die meisten kulturellen Schätze. Ich kann nur sagen: Mir gefällt es hier. Seit der großen Krise im Jahr 2000 hat sich auch viel getan. (Wusstet ihr, dass hier damals der US-Dollar eingeführt wurde?) Manche Stadtteile glänzen nur so vor Modernität. So gibt es hier auch Einkaufszentren, die man in der Form nicht mal bei uns finden kann. Leider wird das ganze wohl doch noch mit Kleinkriminalität überschattet, ich hatte euch ja schon davon berichtet. Nach wie vor kann ich jedoch nichts negatives schreiben. So werde ich mich jetzt in den letzten sonnigen Tag stürzen und noch ein paar Souvenirs besorgen. Meine letzten Cents muss ich nicht ausgeben, denn in Panama kann ich weiter in Dollar zahlen. Sollten es Reisegepäck und -kasse zulassen, ist vielleicht ein Geschenk für die ein oder andere treue Leserin drin ;)

Wünsche euch noch einen sonnigen Tag, schon mal ein schönes Wochenende und weiterhin viel Spaß mit der EM!

Leider ist das nur ein vager Schnappschuss von meiner riesen Dachterrasse
auf der es sich in Hängematte oder Hollywoodschaukel super aushalten lässt.

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