...heißt auf Quechua Cusco und da bin ich gerade.
Der Legende nach wurde im 12. JH der erste Inka vom Sonnengott Inti beauftragt, "qosq´o" (= den Nabel der Welt) zu finden. Als dieser Inka einen solchen Platz fand, gründete er die Stadt Cusco.
Und wie ihr wahrscheinlich wisst, landet man hier vor allem aus einem Grund: MP, MaPi oder kurz Machu Pichhu genannt. Eigentlich hab ich mich ja total darauf gefreut und war vor Cusco fast etwas aufgeregt, aber jetzt leide ich nur noch unter dem MPS. Nein, ich meine nicht PMS (auch wenn die Symptome ähnlich sind), ich meine wirklich MPS = Machu-Pichhu-Streß. Hier dreht sich naürlich viel um den MP und so wird versucht so viel wie möglich an Geld damit zu machen. Mehr dazu werde ich euch aber an anderer Stelle berichten. Am Dienstag, den 24.04.2012 ist es dann aber so weit, dann ist MPT (MaPi-Tag).
| Hauptplatz in Cusco (die Kirchen sind quasi Recyclingprodukte aus zerstörten Inkabauten/Steinen durch die Spanier) |
Vor Cusco war ich in Arequipa. Das ist die zweit größte Stadt Perus und ist auch recht hübsch anzusehen.Das Städtchen wurde aus weiß getünchtem Vulkangestein erbaut und liegt in einer majestätischen Berglandschaft.
| Die Kathedral in Arequipa ist eine der weniger als 100 Kirchen weltweit, denen es erlaubt ist, die Flagge des Vatikan zu hissen. |
Arequipa ist angeblich auch die Hauptstadt der Alpakas. Das hat mich zu einer Collage inspiriert. Vorher-Nacher-Foto:
Alpaka schmeckt nämlich noch besser als Lama. Und wie treudoof x-beinig die kucken können, hm?!
Von Arequipa aus habe ich einen Ausflug zum "Canon del Colca" gemacht. Dort hat es wunderschöne Landschaften, der tiefste Canyon der Welt liegt direkt daneben und es gibt dort tatsächlich noch Kondore.
Mit den Öffentlichen bin ich erst mal nach Chivay getuckert. Im Bus saß eine neugierige Peruanerin neben mir, deren Wissensdurst dem eines Vierjährigen glich. Unstillbar! "Sieht es in Deutschland so aus wie hier? Welche Frücht hat es dort? Welche Früchte aus Peru kann man dort kaufen? Gibt es viel Landwirtschaft? Welche Religion hat man dort? Wieviel kostet ein Auto? Wieviel kostet eine Wohnung? Und, und, und". Ich konnte sie leider nicht abwimmeln. Nach einigem Gähnen habe ich mich die letzte halbe Stunde schlafend gestellt. So weit ist es nun mit mir gekommen...
Die Nacht hab ich in dem verschlafenen Kaff verbracht. Obwohl mir einige überteuerte Touren zum "Cruz del Condor" angeboten wurden, habe ich die rustikale Variante gewählt. Um drei Uhr früh hieß es deshalb aufstehen, damit ich den öffentlichen Bus erwische. Ob der mich dann auch wirklich da hin bringt, wo ich hin wollte, darüber war ich mir doch etwas unsicher. Aber die Bedenken waren umsonst. Pünktlich um 6.00 Uhr hat mich mein einheimischer Sitznachbar geweckt und ich durfte im Nirgendwo aussteigen. Schlaftrunken hab ich dann die wunderschöne Landschaft betrachtet. Hach war das herrlich friedlich dort. Und außer mir kein Touri, haha. Die haben um die Uhrzeit vermutlich alle noch geschlafen.
| Morgens um sechs am "Cruz del Condor" |
Mit mir waren da noch zwei so Indianerstylerbuben. Die waren echt witzig und haben auch erst mal die Schönheit, die Ruhe und den Frieden da oben genossen. Weil die wirklich so einen indianischen Look hatten und so schön über die Natur schwärmten, kam für mich eine mystische Stimmung auf. Zusammen haben wir den Sonnenaufgang bestaunt. Aber auch die hatten einen Wissensdurst. So durfte ich schon wieder Fragen über Gott und die Welt beantworten. Nach einiger Zeit sind sie verschwunden und da hab ich erst gerafft, dass mit mir noch ein paar Einheimische ausgestiegen sind. Das waren alles Verkäufer, die fleissig ihre Waren aufgebaut haben. Irgendwie war es echt interessant, das alles so ungestört in dieser traumhaften Umgebung miterleben zu dürfen. Meine zwei Buben haben mir dann auch ihren Schmuck gezeigt. Kurz war ich enttäuscht, weil ich dachte, die wollen mir ihre Sachen aufdrehen. Der eine hat mich dann auch in die Kunst des Armbandknüpfenwebenknotens eingeweiht. Und noch bevor ich "nein" sagen konnte hatte ich auch schon ein Armband zum Knüpfen in Arbeit.
Ach ich sags euch, es war einfach himmlisch dort. Eigentlich bin ich wegen den Kondoren gekommen und plötzlich war ich Mitglied dieser Verkaufsgemeinde. Am frühen Morgen noch bevor die Touristenmassen herbeiströmen. Am liebsten hätte ich ja von diesem Treiben ein paar Fotos gemacht, aber die Stimmung war so schön, dass ich sie mit der Kamera nicht "erschießen" wollte.
Stunden später (kein Witz) kamen dann auch die ersten Touristen im Miniluxusvan angekarrt. Und irgendwie war es für mich in dem Moment echt spannend, weil ich es von der anderen Seite aus erlebt habe. Plötzlich kamen da Leute an, sind an "unseren" Stand gekommen und haben sich für die Sachen interessiert. Und wie doof die sind, hach, was ich mir da so gedacht habe... Brav hab ich mein Armband fertig geknüpft, wurde von meinem Lehrer kontrolliert und durfte nebenbei noch beim Übersetzen helfen.
Weshalb war ich noch mal überhaupt dort? Ach ja, wegen den Andenkondoren. Die sind auch wirklich angefolgen gekommen und haben die Tourimassen begeistert. Bis zu 3 Meter Flügelspannweite können die angeblich erreichen. Unbeeindruckt von den ganzen Fotografen sind die da rumgegleitet und haben ihre Kreise gezogen. Und das in dieser atemberaubenden Landschaft...
| Auf dem Felsvorsprung hockt er. Sieht auf m Bild aber nicht groß aus, hm? |
| Spread your wings and fly away... Gut fünf bis sechs Kondore sind gleichzeitig rumgeflogen! |
Mit meinen neugewonnen Freunden bin ich dann auch im Bus nach Chivay zurückgefahren. Wurde direkt zum Sonntagsmahl daheim bei Mutti eingeladen. Wie nett, oder? Hach, das war mir dann doch zu viel. Dankend habe ich abgelehnt und die Zeit für einen Spaziergang in die schöne Umgebung genutzt.
| Die Terassen sind einer der ältesten in Peru und stammen wohl noch aus der Prä-Inkazeit. Die Landschaft dort war wirklich unbeschreiblich! |
Ihr Lieben, zum Schluß möchte ich heute noch etwas zum Thema "Andere Länder, andere Sitten" erzählen. Einige von euch wundern sich immer, wovon ich so müde bin oder warum ich kaum Zeit für Mails habe. Schließlich bin ich im Urlaub. Stimmt schon, aber ich bin halt auf Reisen und nicht im Urlaub. Alleine die letzten zwei bis drei Wochen war ich gut jeden 2. Tag für mindestens drei Stunden in einem Bus oder an einem Flughafen. Und das schlaucht. Dann in einer neuen Stadt ankommen, eine neue Herberge finden, neue Eindrücke verarbeiten...
Ein Ticket für das nächste Ziel kaufen, ist oft der anstrengendste Teil. Die Tage hab ich ein Dame in der Touri-Info gefragt, wo es öffentliche Busse oder ein Collectivo zum Busbahnhof gäbe. Die hat mich hartnäckig darauf verwiesen, dass es dafür Taxis gäbe. Nachdem ich dann selbst ein Collectivo gefunden habe, ging der Kampf weiter. Es gib nämlich unzählige Anbieter - da lohnt es sich Preise zu vergleichen! Die Halle gleicht einem Hühnerstall, alle schreien wild Städtenamen durch die Gegend und wollen für sich werben. Eine einzige Odyssee. Danach war ich einfach nur noch reif für`s Bett...
| Die Halle ist ungefähr noch 4 x länger, als ihr sie hier sehen könnt... |
| Nur die im Glas sind "to stay". Getränke gleicher Größe in der Plastikflasche kosten das 5-fache... |
Ich bin inzwischen zur "kurz-mal-ne-Cola-Trinkerin" geworden. Liegt aber nur daran, dass ich voll auf Kaffe-Entzug bin. Und irgendwoher muss man ja sein Koffein kriegen, oder? Habe euch ja schon berichtet, dass der Kaffee in Chile so schlecht war. In Bolivien wurde es noch irrwitziger. Da hat man so eine Art, nenn wir es mal "Kaffeesirup", serviert bekommen. Sah erst mal aus wie Espresso, ist aber die ungefähr 50 bis 100-fache Potenz davon. Ja, von Espresso! Und was macht man damit? Man gießt sich einen Fingerhut voll in die Tasse und schüttet den Rest mit heißem Wasser auf. Kein Scherz. Als ich in einem Hostel in der Küche mal nach Nachschub gefragt habe, hat die Dame aus nem Schrank eine alte Plastikflasche genommen. In der war das teuflische Gebräu abgefüllt *schüttel*. Wie sie diesen "Sirup" selbst herstellen, keine Ahnung. Auch hier in Peru wird gerne Nescafé (Pulverkaffee) serviert. Obwohl das Land Bohnen produzieren, werden die meist nur exportiert, dafür Nescafé importiert. Ach ja...
Was hier auch immer wieder ein anstrengendes Thema ist, ist Geld. Nicht, was ihr jetzt (wahrscheinlich) denkt. Klar wollen die Leute, dass man sein Geld bei ihnen ausgibt. Am besten so viel wie möglich. Jedoch mit einer Einschränkung. Die Gleichung lautet wie folgt: So viel wie möglich, aber auch so klein wie möglich! Der Schrecken begann schon in Buenos Aires (zieht sich aber bis nach Peru hin). Der größte Geldschein in Argentinien beträgt umgerechnet nicht mehr als 20,00 Euro. Aber finde mal einen, der dir den wechseln kann! Ihr könnt euch nicht vorstellen wie oft ich einen Laden ohne Waren verlassen musste, weil man auf meinen Schein nicht rausgeben konte. Selbst Taxifahrer haben einen am Ende der Fahrt in einen Supermarkt geschick, weil sie nicht wechseln konnten. Oder erinnert ihr euch noch, dass ich mal bei Starbucks einen Espresso umsonst bekommen hab, weil die meinen Schein nicht wechseln konnten. Verrückt, oder? Ganz begehrt sind in Argentinien Münzen. Die braucht man vor allem für den Bus. Kein passendes Kleingeld = keine Mitfahrt. Dort stecken wahrscheinlich auch alle Münzen. Und weil die Läden oft kein Kleingeld mehr in der Kasse haben, kriegt man tatsächlich den Wert in Bonbons ausbezahlt. Da kann man als Kind nur hoffen, dass die Mama viel Wechselgeld kriegt ;)
| Hier seht ihr rechts neben der Kasse (in der Tüte) das "Wechelsgeld" |
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