Manchmal fühl ich mich wie im Frauenhaus. Tja, da war sie wieder meine soziale Ader...
Das ist Carlito, sieht gar nicht so argentinisch aus, hm?
Interessant sind auch die Gepflogenheiten dieses Hostels: Keiner sperrt so wirklich seine Türe ab, bzw. stehen die Türen offen. Wenn mal ein Schlüssel steckt, dann steckt er aussen, nicht innen, vor allem nachts. Am ersten Tag fand ich das auch noch etwas seltsam, jetzt hab ich mich an dieses offene Leben gewöhnt und finde das offene-Türen-Prinzip sogar von Vorteil: Man kann seinen Schlüssel nicht verlieren, hat immer frische Luft und irgendwie fühl ich mich grad auch sehr sicher, weil es ja offensichtlich problemlos zu funktionieren scheint. Meine Wertsachen habe ich natürlich in einem Schließfach eingesperrt, daß sollte ich an dieser Stelle erwähnen, für alle die, die sich all dies nicht wirklich vorstellen können (wollen).
Sonntag früh, ich verkatert, aber dank Rita doch früh wach. Man bekommt automatisch ein schlechtes Gewissen, wenn man mit einer Mutter und deren Kind haust, länger als bis 8.00 Uhr zu schlafen. Sie war total gut gelaut und nachdem sie mir unter die Nase gerieben hat, dass ich wohl gestern betrunken heimgekommen wäre, ist sie mit den Worten "Domingo es es rey" auch schon davongezischt. Amen.
Mein Magen war echt beleidigt und am liebsten wär ich nur liegen geblieben. Aber da für mich noch alles neu ist und ich das Gefühl hatte, etwas verpassen zu können, hab ich mich doch aus dem Bett gequält um auf den berühmten Antikmarkt in San Telmo zu gehen. San Telmo ist übrigens das Viertel, in dem ich wohne. Ein runtergekommenes Künstlerviertel mit sehr viel Charm. Das quasi Kreuzberg von Buenos Aires. Mir gefällt es hier sehr gut, man entdeckt ständig Neues.
Der Markt war wirklich toll. Da wurde einem vom Reiseführer nicht zuviel versprochen. Das Wetter war wunderschön, die Leute gut gelaunt und zur Erinnerung an diesen schönen Tag hab ich mir ein paar Ohrringe gekauft.
Am Nachmittag wollte ich mich im Park auskatern. Also machte ich mich motiviert auf einen längeren Fußmarsch in Richtung einer im Stadtplan als "Grünfläche" und am Wasser gelegen gekennzeichneten Anlage. Aber nur weil das im Plan so gemütlich aussieht, muss es das nicht sein. Es entpuppte sich als riesen Naturschutzgebiet und nach Stunden des Laufens in stechender Nachmittagssonne hab ich schließlich eine Bank gefunden. Es hätte mir einfach zu denken geben sollen, dass da außer mir niemand spatziert ist, sondern alle nur mit dem Mountenbike unterwegs waren...
Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer...
Am Abend bin ich zurück nach San Telmo, wo ich endlich mal den Tango bewundern durfte. Für die Leute hier ist das eine heilige Sache. Tango hier, Tango da, Tango toll. Und die Damen scharren sich in der Hoffnung das ein Mann sie endlich auffordert... irgendwie nett. 70-jährige fühlen sich auf einmal wieder jung und die Flamme der Leidenschaft brennt auf.
Zurück in Zimmer Nummer 14 war Rita schon in Aufbruchstimmung. In unserer "Lounge" habe ich sie dann mit einem Herren gesehen, war alles etwas seltsam. Ich dachte ja erst, dass das evlt. ihr (Ex-)Mann oder was auch immer ist... Naja, mit einem Beso auf meine Backe hat sie sich bei mir verabschiedet und meinte, dass sie die Nacht bei Fernando verbringt. Ja, so ist das hier...
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